Polizist drückt dunkelhäutigen Mann mit Gesicht auf Pflastersteine, der fleht um sein Leben

Hamburg - Die Aufnahme schockiert: Drei Polizisten drücken einen Mann mit dem Gesicht auf den Boden. Was wie rassistische Polizeigewalt in den USA aussieht, hat sich aber in Hamburg abgespielt. 

Drei Polizisten drücken einen Mann in Hamburg zu Boden.
Drei Polizisten drücken einen Mann in Hamburg zu Boden.  © Montage: Screenshot/Youtube/Boykottone

Die Szene ist in einem mittlerweile gelöschten Video festgehalten worden, das im Internet verbreitet wurde. Dazu heißt es, dass sich der Vorfall am 5. Juni 2020 im Stadtteil Horn ereignet haben soll. 

Am Ende der Szene sitzen zwei Polizisten auf dem Mann, einer der beiden drückt dessen Gesicht mit beiden Händen auf die Steine des Gehwegs. 

Zuvor ruft der am Boden liegende Mann flehend: "Tu vas me tuer." Das ist Französisch und bedeutet: "Du wirst mich töten!" 

Was vorher geschehen ist, zeigt das Video nicht. Der Rapper Boykottone schreibt dazu, dass er mit dem Zeugen Kontakt gehabt hätte, der die Szene gefilmt hat. 

Den Schilderungen nach soll der Mann aus Frankreich stammen und an der Straße Am Gojenboom sein Auto im Halteverbot geparkt haben, deswegen bekam er von den Polizisten einen Strafzettel. 

Die Strafe fürs Falschparken wollte der Mann "in bar bezahlen, was die Polizei nicht akzeptieren konnte oder wollte. Daraufhin entbrannte eine Diskussion, in deren Verlauf ihn ein Polizist unvermittelt geschlagen haben soll." 

Danach habe sich der Angegriffene gewehrt und sei schließlich von den drei Polizisten zu Boden gebracht und in den Schwitzkasten genommen worden. 

Sowohl das Video als auch die Aussagen von Boykottone wurden am Dienstagvormittag aus unbekannten Gründen gelöscht. 

Um dieses Video geht es

Vorfall im Video soll fast ein Jahr her sein

Tausende gingen am Samstag in Hamburg gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren.
Tausende gingen am Samstag in Hamburg gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren.  © Christian Charisius/dpa

Brisante Aufnahmen in Zeiten, in denen zuletzt am Samstag 14.000 Menschen gegen Polizeigewalt in Hamburg auf die Straße gingen. Ein Video, das an den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd (†46) bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis (USA) erinnert. 

So ist es kein Wunder, dass Deniz Celik (42) von der Linken auf Twitter schrieb: "Der schockierende Einsatz (...) muss Konsequenzen haben!" 

Die Polizei Hamburg war für Fragen zu dem Vorfall nicht erreichbar. Gegenüber der Hamburger Morgenpost erklärte ein Sprecher aber, dass die Szene im Video nicht vom Freitag stamme, sondern bereits vom 11. August 2019. 

Korrekt sei dagegen, dass es bei dem Einsatz um ein falsch geparktes Auto gegangen sei. Das sollte abgeschleppt werden. 

Als der Besitzer kam, die 280 Euro für den Abschlepper nicht zahlen und einfach wegfahren wollte, hinderten ihn die Polizisten daran. Der Autofahrer habe Widerstand geleistet, dann sei er von den Beamten zu Boden gedrückt worden. 

Aber war das überhaupt nötig? Das soll nun untersucht werden. "Das Dezernat Interne Ermittlungen hat aufgrund des polizeilichen Vorgehens bereits Ermittlungen aufgenommen", schrieb die Polizei Hamburg auf Twitter.  

Dass der Vorfall bereits fast ein Jahr her sei, mache es für Linken-Politiker Celik "kein bisschen weniger schlimm". Er meint: "Der Einsatz erscheint auf keinen Fall verhältnismäßig zu sein."

Ein weiterer Vorfall Anfang Juni verlief ähnlich. Die taz berichtet über einen dunkelhäutigen Mann, der von zwei Polizisten im Schwitzkasten gehalten wurde, weil er keine Maske getragen und den Mindestabstand unterschritten habe.  

Update, 16.17 Uhr: Neue Ermittlungen laufen

Die Staatsanwaltschaft sei erneut in den Fall eingeschaltet, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Schon im vergangenen Jahr seien Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt gegen die Polizeibeamten aufgenommen, aber später wieder eingestellt worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. 

Damals habe den Ermittlern nur ein Video von dem Vorfall aus anderer Perspektive vorgelegen. "Dieses Video und die weiteren Ermittlungsergebnisse waren damals nicht ausreichend zur Begründung eines hinreichenden Tatverdachts gegen die Polizeibeamten."

Mit der nun vorliegenden neuen Aufnahme seien die Ermittlungen wieder aufgenommen worden. Der Vorfall werde derzeit von der Dienstelle Interne Ermittlungen der Polizei untersucht. 

"Nur zur Klarstellung möchte ich darauf hinweisen, dass Gegenstand des Verfahrens nicht Rassismusvorwürfe sind, sondern Straftaten, insbesondere Körperverletzungsdelikte im Amt", betonte die Sprecherin.

Titelfoto: Montage: Screenshot/Youtube/Boykottone

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