"Zeynep" wütet im Norden: Sturmflut, Chaos auf den Straßen

Hamburg/Kiel – Sturmtief "Zeynep" hat sich in der Nacht mit Orkanböen über dem Norden ausgetobt und viele Schäden angerichtet. Die Feuerwehr rückte zu unzähligen Einsätzen aus. Jetzt wird erst mal wieder aufgeräumt.

Passanten stehen am frühen Morgen vor dem überfluteten Fischmarkt.
Passanten stehen am frühen Morgen vor dem überfluteten Fischmarkt.  © Jonas Walzberg/dpa

Die Nordseeküste erlebte eine schwere Sturmflut. In Hamburg erreichte die Elbe am Pegel St. Pauli gegen 5.30 Uhr 3,75 Meter über dem mittleren Hochwasser, was einer sehr schweren Sturmflut entspricht.

An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste lief das Wasser früher in der Nacht und weniger hoch auf. In Dagebüll (Kreis Nordfriesland) und Büsum (Kreis Dithmarschen) gab es mit 2,92 und 2,86 Metern über dem mittleren Hochwasser jeweils eine schwere Sturmflut.

In Schleswig-Holstein und Hamburg meldeten Feuerwehren und Polizei Hunderte Einsätze, doch blieb es zumeist bei Sachschäden, umgestürzten Bäumen, umherfliegenden Gegenständen und beschädigten Gebäuden.

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Die Regionalleitstelle West in Elmshorn hatte am Freitagabend getwittert, das Telefon klingele alle zwei Minuten.

Erst in der Nacht zu Donnerstag hatte Sturmtief "Ylenia" zu Hunderten Einsätzen von Feuerwehren und Rettungsdiensten geführt. Die Hamburger Feuerwehr berichtete am Morgen von 654 Einsätzen wegen des Sturms.

Keine Schwerverletzten oder Toten

Das Flutschutztor am Deich in Wilhelmsburg wird am Morgen wieder geöffnet.
Das Flutschutztor am Deich in Wilhelmsburg wird am Morgen wieder geöffnet.  © Jonas Walzberg/dpa

Der Deutsche Wetterdienst hatte im Laufe des Abends in Kiel, Hamburg, auf Sylt und auf Helgoland Windstärken zwischen 9 und 11 gemessen, in Büsum wurde eine Orkanböe mit 143,3 Kilometer pro Stunde festgestellt. In Hamburg lagen die Windgeschwindigkeiten nach DWD-Angaben um 100 Kilometer pro Stunde.

Die Warnungen des Deutschen Wetterdiensts, der Feuerwehren und der Polizei haben offensichtlich gewirkt. Weder in Schleswig-Holstein noch in Hamburg wurde bis zum frühen Samstagmorgen von Schwerverletzten oder gar Toten berichtet.

Der DWD hatte zuvor die Menschen aufgefordert, Türen und Fester geschlossen zu halten, sich möglichst nicht draußen aufzuhalten und sich von Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen fernzuhalten.

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In Hamburg stürzten bei einem viergeschossigen Wohnhaus im Stadtteil Eilbek am Freitagabend Teile der Fassade ein. Insgesamt seien im Giebelbereich rund 25 Quadratmeter Mauerwerk abgefallen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Viele Bahn-, Schiff- und Flugausfälle

Einsatzkräfte räumen eine von umgeknickten Bäumen blockierte Straße.
Einsatzkräfte räumen eine von umgeknickten Bäumen blockierte Straße.  © Axel Heimken/dpa

Zuvor hatte im Stadtteil Bahrenfeld ein Kind viel Glück, als ein großer Baum auf den Bahrenfelder Steindamm fiel. Das Kind war mit einem Fahrrad unterwegs und wurde nach Angaben der Feuerwehr nur leicht verletzt. Zwei Autos wurden von dem Baum getroffen.

Die Deutsche Bahn und andere Verkehrsdienstleister wie Nordbahn, Metronom und AKN Eisenbahn GmbH hatten bereits am Freitagnachmittag oder am frühen Abend den Zugverkehr im Norden ganz oder teilweise eingestellt. Einschränkungen und Ausfälle gab es bei der Hamburger U-Bahn und bei den S-Bahnen.

Etliche Schiffsverbindungen zu den Inseln und Halligen fielen aus, wie die Reedereien mitteilten. Auch die Elbfähre von Glückstadt nach Wischhafen hatte ihren Betrieb eingestellt.

Am Hamburger Flughafen hielten sich die Auswirkungen des Sturms in Grenzen. Es seien nur wenige Flüge gestrichen worden, sagte eine Sprecherin. Am Samstagmorgen fielen mehrere Abflüge aus.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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