Nach mildem Winter: Zeckengefahr bereits zu Ostern!

Hamburg/Schwerin - Wegen des milden Winters muss in Hamburg und Schleswig-Holstein in diesem Jahr früher und mit mehr Zecken gerechnet werden. Davon geht Renke Lühken, Ökologe beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg aus.

Eine Zecke sitzt auf einem Blatt.
Eine Zecke sitzt auf einem Blatt.  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

"Dieser Winter war für die Zecken besonders günstig, da es gleichbleibend um die 5 Grad Celsius warm war", sagte Lühken. 

Solche Temperaturen führten dazu, dass die Tiere deutlich früher und damit auch insgesamt länger aktiv seien. 

Dadurch rechne er insgesamt mit mehr Zecken und auch einem größeren Risiko von Krankheitsübertragungen durch Zecken, zu der die durch Viren hervorgerufene Hirnentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und die Bakterieninfektion Borreliose zählen.

Die milden Temperaturen haben laut Lühken aber nur Auswirkungen auf die Vermehrung der heimischen Zecken und nicht auf die der sogenannten Hyalomma-Zecke, von der im vergangenen Jahr ein Exemplar im Kreis Rendsburg in Schleswig-Holstein gefunden wurde. 

Die aus dem Süden stammende Zeckenart werde regelmäßig vereinzelt von Zugvögeln nach Deutschland eingeschleppt und könne Träger des unter Umständen für den Menschen tödlichen Krim-Kongo-Virus sein. Für eine Etablierung dieser exotischen Zeckenart im Norden sind die Wetterbedingungen laut Lühken aber zu ungünstig.

Zecken haben sich ganzjährig vermehrt

Ein Schild weist auf die Gefahr von Zecken hin.
Ein Schild weist auf die Gefahr von Zecken hin.  © Patrick Seeger/dpa

Von der Infektionskrankheit FSME blieben die Menschen im Norden in den vergangenen Jahren weitgehend verschont, zumal Hamburg und Schleswig-Holstein auch nicht als Risikogebiete für FSME gelten. In Schleswig-Holstein infiziert sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kiel durchschnittlich nur eine Person pro Jahr mit FSME.

In Hamburg sei im vergangenen Jahr niemand erkrankt, teilte eine Sprecherin des Instituts für Hygiene und Umwelt in Hamburg mit. In den zwei Jahren zuvor habe es in der Hansestadt jeweils einen FSME-Fall gegeben. 

Im Gegensatz zu den FSME-Erkrankungen sind die Borreliose-Fälle nicht meldepflichtig und werden daher nicht statistisch erfasst.

Ähnlich wird auch die Lage in Mecklenburg-Vorpommern eingeschätzt. Emil Reisinger, Infektiologe an der Universitätsmedizin Rostock, geht davon aus, dass sich die Zecken in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr weiter ausbreiten und vermehrt Krankheiten übertragen werden. Nach zwei milden Wintern hintereinander hätten sich die Zecken fast ganzjährig vermehren können. Normalerweise starte die Zeckensaison erst Ende April.

Im vergangenen Jahr gab es in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit insgesamt 802 Borreliose-Erkrankungen und einen FSME-Fall. Für 2020 seien bis Ende März bereits 83 Borreliose-Fälle registriert worden.

Um Zeckenbisse zu vermeiden, sind laut KKH lange Kleidung und Zeckenschutzmittel zu empfehlen. Die kleinen Tiere lauerten auf Gräsern, Zweigen von Sträuchern oder auch im Unterholz auf Wirte. Bereits ab etwa sieben Grad Celsius sei mit den Blutsaugern zu rechnen.

Titelfoto: Montage: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn, Patrick Seeger/dpa

Mehr zum Thema Hamburg:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0