Heute vor 11 Jahren, am 9. Juni 2015, bekam Ingeborg Rapoport mit 102 Jahren endlich, was ihr fast ihr ganzes Leben lang verwehrt blieb: den Doktortitel. Weil ihr der Abschluss in der NS-Zeit verweigert wurde, sollte die späte Promotion das Unrecht korrigieren.
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Ingeborg Rapoport (1912 bis 2017) hatte ihre medizinische Forschung und Promotion ursprünglich bereits in den 1930er-Jahren begonnen. 1937 schloss sie ihr Studium mit dem Staatsexamen ab.
Anschließend war die damals 25-Jährige am Israelitischen Krankenhaus Hamburg als Assistenzärztin tätig und schrieb währenddessen ihre Doktorarbeit über Diphtherie.
Allerdings wurde sie 1938 - während der Zeit des Nationalsozialismus - nicht zur mündlichen Doktorprüfung zugelassen. Hintergrund waren die rassistischen Hochschulgesetze des NS-Regimes, die akademische Laufbahnen von Menschen mit jüdischer Abstammung verhinderten.
Somit blieb ihre Promotion über viele Jahrzehnte unvollendet und der Doktortitel wurde ihr verweigert.
Nachprüfung an der Universität Hamburg
Rapoport emigrierte 1938 schließlich in die USA, wo sie als Kinderärztin arbeitete. Anfang der 1950er Jahre zog sie mit ihrer inzwischen gegründeten Familie nach Ost-Berlin in der ehemaligen DDR und setzte dort ihre medizinische Karriere fort.
Mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrer begonnenen Promotion, etwa zum 100. Geburtstag der Medizinerin, erlangte ihre Lebensgeschichte neue Aufmerksamkeit. Die medizinische Fakultät der Universität Hamburg entschied, Rapoport eine nachträgliche mündliche Prüfung in ihrem medizinischen Fachgebiet zu ermöglichen, der sich die mittlerweile 102-Jährige im Jahr 2015 schließlich stellte. Die Möglichkeit einer prüfungslosen Anerkennung der Ehrendoktorwürde soll die ehrgeizige Dame abgelehnt haben.
Nach erfolgreichem Abschluss erhielt sie am 9. Juni 2015 ihre offizielle Promotionsurkunde mit dem Gesamtergebnis magna cum laude (sehr gut). Gleichzeitig ist sie damit eine der ältesten bekannten Promovendinnen.
Die nachträgliche Promotion von Ingeborg Rapoport gilt als außergewöhnliches Ereignis der deutschen Hochschulgeschichte. Sie steht exemplarisch für den Umgang von Universitäten mit NS-Unrecht und zeigt, wie politische Systeme akademische Lebenswege beeinflussen konnten. Zugleich verdeutlicht der Fall, dass wissenschaftliche Anerkennung auch Jahrzehnte später noch möglich ist und als Zeichen historischer Aufarbeitung wirkt.