Baby erwürgt? Staatsanwältin wirft Mutter (22) Eigensucht vor

Lüneburg - Vor dem Landgericht Lüneburg hat am Donnerstag ein Mordprozess gegen eine 22-Jährige aus Bardowick begonnen, die sich wegen des Todes ihres Babys verantworten muss.

Die 22-jährige Angeklagte (l.) sitzt neben ihren Anwalt Moritz Klay im Landgericht.
Die 22-jährige Angeklagte (l.) sitzt neben ihren Anwalt Moritz Klay im Landgericht.  © dpa/Philipp Schulze

Der Leichnam, eingewickelt in Handtücher und einen Plastiksack, war im August vergangenen Jahres auf dem Grundstück der Eltern entdeckt worden.

Nach damaligen Polizeiangaben handelte es sich bei dem Baby um einen kleinen Jungen.

Nach Gerichtsangaben brachte die Frau ihr Kind schon im September 2019 im Badezimmer des Hauses zu Welt, in dem sie auch lebte.

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Kurz nach der Geburt soll sie das Baby erstickt oder erwürgt haben.

Danach soll die junge Frau die Leiche an einem unbekannten Ort mutmaßlich gekühlt gelagert haben.

Update, 15 Uhr: Staatsanwältin wirft Mutter von totem Baby Eigensucht vor

Die Angeklagte (22, l.) sitzt neben ihren Anwalt Moritz Klay im Landgericht.
Die Angeklagte (22, l.) sitzt neben ihren Anwalt Moritz Klay im Landgericht.  © dpa/Philipp Schulze

Die 22-Jährige aus Bardowick hat über ihren Anwalt vor dem Landgericht Lüneburg eingeräumt, die Mutter des vergrabenen Babys zu sein.

Gleichzeitig ließ sie zum Prozessauftakt am Donnerstag erklären, dass sie die Schwangerschaft nicht bemerkt habe.

Im September 2019 bekam die junge Frau angeblich starke Schmerzen und ging zur Toilette in dem Haus, in dem sie mit ihren Eltern lebte.

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Das Kind sei aus ihr herausgekommen, überall sei viel Blut gewesen. Das Baby soll regungslos gewirkt haben, las der Verteidiger weiter vor. "Fragen kann die Mandantin nicht beantworten", sagte der Anwalt.

Anschließend sei der Säugling in Handtücher und Müllsäcke gewickelt im Garten versteckt worden. Ob das stimmt oder das Kind, wie die Staatsanwältin vermutet, bis kurz vor dem Auffinden an einem unbekannten Ort kühl gelagert wurde, ist eine der Fragen im Prozess.

Die Angeklagte muss sich wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten. Nach den Ermittlungen kam der Säugling "lebensfähig" zwischen dem 17. und 18. September 2019 zur Welt und starb wenig später durch Ersticken oder Erwürgen.

Als Motiv warf die Staatsanwältin Meike Wulff der Angeklagten eine "Eigensucht wegen ihrer Freizeitgestaltung" vor. Die junge Mutter habe keine elterliche Verantwortung übernehmen wollen. Nach Auffassung einer DNA-Gutachterin der Universität Hamburg ist die Angeklagte zu 99,99 Prozent die Mutter des toten Babys.

Zum Zeitpunkt der Festnahme im August 2020 war die Frau, die vor drei Jahren Abitur und dann eine Ausbildung zur Speditionskauffrau in Hamburg gemacht hatte, erneut schwanger.

Ihren Sohn brachte sie kurz vor dem Jahreswechsel im niedersächsischen Frauengefängnis in Vechta zur Welt.

Titelfoto: dpa/Philipp Schulze

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