Europol am Telefon? Legt lieber sofort auf!

Stade - Die Telefonbetrüger haben sich etwas Neues ausgedacht. Auf einen aktuell häufig – auch bundesweit – vorkommenden Trick macht jetzt die Polizei Stade aufmerksam.

Derzeit häufen sich telefonische Betrugsversuche mit einer neuen Masche. (Symbolbild)
Derzeit häufen sich telefonische Betrugsversuche mit einer neuen Masche. (Symbolbild)  © fizkes/123RF

Wie schon bei anderen Maschen täuschen die Betrüger auch bei dieser vor, dass sie Polizisten seien. Sie rufen scheinbar von einer deutschen Mobilfunknummer aus an, was aber durch das sogenannte Call-ID-Spoofing vorgegaukelt wird, teilte die Polizei mit.

Dabei geben sie sich als angebliche Mitarbeiter von Europol oder Interpol aus. Eine – meist weibliche – Stimme meldet sich auf Englisch: "This is a call from Europol." Dabei handelt es sich offensichtlich um eine abgespielte Aufnahme und keine Person aus Fleisch und Blut, die gerade am Telefon ist.

Danach sagt die Stimme meist, dass es Unstimmigkeiten mit der ID-Card, also dem Ausweis, oder der Steuer-ID gegeben habe. Es folgt die Aufforderung, die Taste 1 zu drücken, um die Probleme zu lösen. Wird nichts gemacht, endet das Telefonat.

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Wer der Aufforderung nachkommt und die 1 drückt, wird zu einem angeblichen Sachbearbeiter weitergeleitet. Nach Polizeiangaben spricht dieser Englisch mit indischem Akzent. Im weiteren Gespräch sollen persönliche Daten abgeglichen, aktualisiert oder zusätzlich in Erfahrung gebracht werden. Das Ziel der Betrüger: Daten sammeln, um sie später für Straftaten verwenden zu können.

Angebliche Polizisten drohen mit langer Haftstrafe

Die Betrüger geben sich oft als Interpol-Mitarbeiter aus. (Archivbild)
Die Betrüger geben sich oft als Interpol-Mitarbeiter aus. (Archivbild)  © Laurent Cipriani/AP/dpa

Die Betrüger variieren ihre Masche. Sie sollen sich als Police Officer oder als Mitarbeiter des Federal Police Department, Interpol oder Europol ausgeben. In manchen Fällen heißt es, dass Bankkonto sei betroffen oder es gäbe ein großes Ermittlungsverfahren.

Die Täter drohen bei Verweigerung der Auskunft mit fünf Jahren Haft. In anderen Fällen werden die Angerufenen aufgefordert, Geld auf ein ausländisches Konto zu überweisen, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen.

Wie die Betrüger an die Telefonnummern gelangen, ist derzeit nicht bekannt. Vorstellbar ist, dass sie auf durch einen Hack bekanntgewordene Daten zugreifen oder rein zufällig Rufnummern anklingeln.

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Polizeisprecher Rainer Bohmbach rät: "Reagieren Sie nicht auf solche Anrufe und lassen Sie sich nicht in derartige Gespräche verwickeln. Geben Sie keine Daten heraus und leisten Sie keine Zahlungen. Legen Sie am besten gleich einfach auf."

Die verwendeten Nummern können auf dem eigenen Telefon gesperrt werden, um weitere solcher Betrugsversuche zu blockieren. "Die Anrufer sind keine offiziellen Vertreter irgendeiner Behörde! Rufen Sie bei unbekannten Nummern nicht zurück!" Wer dennoch auf die Masche hereingefallen sei, solle am besten Anzeige erstatten.

Titelfoto: fizkes/123RF

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