Hat ein Mann seine pflegebedürftige Frau (†84) aus Verzweiflung getötet?

Mosbach - Aus Überforderung und Verzweiflung soll ein 79-Jähriger seine pflegebedürftige Ehefrau (84) getötet haben - wegen Totschlags muss er sich nun von Donnerstag (9 Uhr) an vor dem Landgericht Mosbach (Baden-Württemberg) verantworten.

Überforderung und Verzweiflung sollen Motiv der Tat sein. (Symbolbild)
Überforderung und Verzweiflung sollen Motiv der Tat sein. (Symbolbild)  © picture alliance/Marijan Murat/dpa

Nach Polizeiangaben hatte der Mann nach der Tat am 21. Januar in Billigheim selbst einen Angehörigen informiert, woraufhin dieser den Notruf absetzte (TAG24 berichtete).

Gewalt bei der Pflege von Angehörigen zu Hause ist nach Ansicht einer Expertin oft Folge von Unwissen über Krankheiten und mangelnder Sensibilität für die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen. 

"Daher müssten Pflegende so früh wie möglich Hilfe von außen suchen - was sie aus Scham häufig nicht tun", sagt Stefanie Wiloth vom Institut für Gerontologie in Heidelberg.

Dass ein Angehöriger den Pflegebedürftigen tötet, sei häufig das Ende einer Abwärtsspirale von verbaler, psychologischer und schließlich physischer Gewalt.

Senior gesteht die Tötung seiner pflegebedürftigen Frau

Update 11.25 Uhr: Ein 79-Jähriger hat gestanden, im vergangenen Januar seine pflegebedürftige Ehefrau aus Überforderung getötet zu haben. In seinem von der Verteidigerin am Donnerstag vor dem Landgericht Mosbach verlesenen Geständnis gab er an, seine Frau habe eine vereinbarte Aufnahme in ein Pflegeheim unerwartet zurückgewiesen. Er sei in eine Schockreaktion geraten und habe aus dem Wissen heraus, dass er nicht weiter in der Lage sei, seine Frau zu pflegen, diese getötet. Dass er sie mit einem Seil erdrosselt habe, daran erinnere er sich nicht mehr.

Laut Anklage hat er die fünf Jahre ältere Frau nach 58 Ehejahren mit einer Kordel im Eigenheim in Billigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) erdrosselt. Anschließend habe er ihr am linken Arm die Pulsadern aufgeschnitten, um sicher zu stellen, dass sie tot sei. Die Anklage lautet auf Totschlag. Nach den Plädoyers wird noch am Donnerstag das Urteil erwartet.

Titelfoto: picture alliance/Marijan Murat/dpa

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