Soldat bricht bei Marsch zusammen, jetzt verklagt er die Bundesrepublik

Bonn - Nach einem körperlichen Zusammenbruch bei einem Geländemarsch klagt ein Bundeswehrsoldat aus Baden-Württemberg am Mittwoch (12.30 Uhr) gegen die Bundesrepublik Deutschland.

Der Kläger (rechts) am Mittwoch vor Gericht in Bonn.
Der Kläger (rechts) am Mittwoch vor Gericht in Bonn.  © Henning Kaiser/dpa

Er fordert nach Angaben des Landgerichts insgesamt 60.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Der 33-Jährige wirft dem Bund - als Dienstherrn des Verteidigungsministeriums - demnach Amtspflichtverletzung vor: Der Ausbilder habe vorsätzlich gehandelt, als er an dem heißen Tag - 30 Grad im Schatten - nach einem Gepäcklauf mit zehn Kilogramm Gewicht noch einen drei Kilometer langen Rückmarsch angeordnet habe. 

Wegen mangelnder Trinkpausen und der Hitze sei es zu einem Kreislaufzusammenbruch und zur Überhitzung des Körpers gekommen, außerdem zu einer Lähmung der Oberschenkel. 

Das Ganze hatte sich im Rahmen eines Bundeswehr-Lehrgangs am Ausbildungszentrum Hammelburg in Bayern abgespielt.

Laut früheren Angaben ist der Bund der Ansicht, dass kein Vorsatz vorlag. Der Kläger sei ein erfahrener Soldat, der gewusst habe, worauf er sich einlasse. Er hätte den Marsch jederzeit abbrechen können.

Ein Bundeswehr-Sprecher erläuterte: "Der Lehrgang stellt höchste Anforderung an die physische Belastbarkeit der Lehrgangsteilnehmer. Die Teilnahme ist freiwillig und das Nicht-Bestehen hat für die Soldaten keine laufbahnrelevanten Folgen."

Ein Strafverfahren gegen den Ausbilder wegen fahrlässiger Körperverletzung war bereits 2018 vor dem Amtsgericht Bad Kissingen gegen eine Geldauflage eingestellt worden.

Update: 16.15 Uhr

Fall bis Ende November vertagt

Der Soldat war bei einem Marsch zusammengebrochen. (Symbolbild)
Der Soldat war bei einem Marsch zusammengebrochen. (Symbolbild)  © Philipp Schulze/dpa

Der Streit zwischen einem Soldaten und der Bundeswehr wegen eines Kollaps des 33-Jährigen auf einem Geländemarsch ist vor Gericht zunächst ohne Einigung geblieben. 

Das Bonner Landgericht, das die Klage des Infanteristen am Mittwoch verhandelte, vertagte den Fall bis Ende November. Einer Lösung im beidseitigen Einvernehmen hatte der Anwalt des Bundes zuvor vorerst eine Absage erteilt.

Der Soldat klagt in Bonn - Dienstsitz des Verteidigungsministeriums - auf insgesamt 60.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Der 33-Jährige aus Baden-Württemberg war 2016 bei einem Bundeswehr-Lehrgang in Hammelburg in Bayern zusammengebrochen. Es handelte sich demnach um einen Eingangstest für den Lehrgang "Führer eines Jagdkommandos". 

Bei mehr als 30 Grad Außentemperatur begaben sich die Soldaten auf einen Hindernisparcours und anschließenden Geländemarsch mit Gepäck. Darauf folgte ein Rückmarsch - und der körperliche Zusammenbruch des damaligen Hauptfeldwebels. Die Folgen waren gravierend, da sich das Gewebe an den Oberschenkeln des Soldaten so stark zusammenzog, dass er operiert werden musste.

Die Ursache dafür ist unstrittig: Flüssigkeitsverlust. Aus Sicht des Soldaten, der vor Gericht mit einer olivgrünen Mund-Nasen-Maske erschien, hatte es zu wenige Gelegenheiten für Trinkpausen gegeben. Wasser hätte er eigentlich genug dabei gehabt. 

"Das war schon ein sehr, sehr straffes Programm. Das muss man ganz klar sagen. Und das ist meiner Meinung auch das Problem bei der Geschichte", sagte er. Man habe da gar keinen "Stress" machen müssen, zumal bei diesen Temperaturen.

Dem Bund - als Dienstherrn des Verteidigungsministeriums - wirft er eine Amtspflichtverletzung vor. Der Bund ist nach Angaben des Gerichts der Ansicht, dass kein Vorsatz vorlag. Auch seien die Soldaten belehrt worden, ausreichend Wasser mitzunehmen. Ein Bundeswehr-Sprecher erklärte zudem, die Teilnahme an dem Lehrgang sei freiwillig und das Nicht-Bestehen habe für Soldaten keine laufbahnrelevanten Folgen. Auch könne man jederzeit ohne Angaben von Gründen abbrechen.

Der Richter erklärte dem Soldaten seine vorläufige Einschätzung der Lage: Wenn alles stimme, was er vortrage, sei grundsätzlich eine Amtspflichtverletzung des Bundes denkbar. Er meine aber auch, dass das Mitverschulden des erfahrenen Soldaten mindestens 50 Prozent betrage. Und beim Schmerzensgeld halte das Gericht bislang nicht mehr als 30.000 Euro für möglich.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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