Bringt das den Prozess voran? 101-jähriger KZ-Wachmann will sich erklären

Brandenburg/Havel - Im Prozess um die Massentötungen von Häftlingen und sowjetischen Kriegsgefangenen im Konzentrationslager Sachsenhausen hat der Verteidiger eine Erklärung des Angeklagten angekündigt.

Der mittlerweile 101 Jahre alte Angeklagte soll an der Ermordung tausender Menschen beteiligt gewesen sein.
Der mittlerweile 101 Jahre alte Angeklagte soll an der Ermordung tausender Menschen beteiligt gewesen sein.  © Fabian Sommer/dpa

Der 101-Jährige werde sich beim nächsten Prozesstag am Donnerstag auch zu seiner Tätigkeit in der Zeit während des Zweiten Weltkriegs erklären, in der er laut Anklage als Wachmann der SS in dem KZ eingesetzt gewesen sein soll, teilte Verteidiger Stefan Waterkamp am Samstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Laut Anklage soll der 101-Jährige als SS-Wachmann in dem KZ von 1942 bis 1945 Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen geleistet haben - in mindestens 3518 Fällen.

Der Angeklagte hatte aber in dem seit Anfang Oktober laufenden Prozess mehrfach bestritten, in dem KZ tätig gewesen zu sein.

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Auf Anraten seines Anwalts hat er sich ansonsten zu seiner Tätigkeit während des Zweiten Weltkriegs bislang nicht geäußert.

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann, Nebenkläger-Anwalt Thomas Walther und Überlebende des KZ als Nebenklager hatten den Angeklagten mehrfach aufgefordert, sich zu seiner damaligen Tätigkeit zu bekennen.

War der 101-jährige Angeklagte zu dieser Zeit in der litauischen Armee?

Laut Lechtermann soll der 101-Jährige schon einmal angegeben haben, er habe zu der fraglichen Zeit in der litauischen Armee gedient. Dann solle er dazu auch nachprüfbare Einzelheiten schildern.

Sollte er aber als SS-Wachmann im KZ gedient haben, solle er dies einräumen, hatte der Richter gefordert.

Der Prozess vor dem Landgericht Neuruppin findet aus organisatorischen Gründen in einer Sporthalle in Brandenburg/Havel statt. Bislang sind Termine bis in den Januar anberaumt.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der dortigen Gedenkstätte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert.

Die Aussage des 101-Jährigen ist für Donnerstag angesetzt.
Die Aussage des 101-Jährigen ist für Donnerstag angesetzt.  © Fabian Sommer/dpa

Zehntausende Häftlinge kamen dort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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