Drogen-Plantage über Praxis: Zahnarzt-Paar freigesprochen!

Krefeld - Gaben sie die Drogenplantage in Auftrag oder wussten sie von nichts? Ein Zahnarzt-Ehepaar (53, 51) aus Nettetal wehrt sich in Krefeld gegen seine Verurteilung wegen Drogenhandels.

Vor dem Krefelder Landgericht wehrt sich am Freitag ein Zahnarzt-Ehepaar aus Nettetal gegen seine Verurteilung wegen Drogen-Handels. (Symbolbild)
Vor dem Krefelder Landgericht wehrt sich am Freitag ein Zahnarzt-Ehepaar aus Nettetal gegen seine Verurteilung wegen Drogen-Handels. (Symbolbild)  © Rolf Vennenbernd/dpa

An diesem Freitag (8 Uhr) will das Krefelder Landgericht in dem Berufungsverfahren das Urteil verkünden.

In erster Instanz waren der 53-jährige Dentist und seine zwei Jahre jüngere Ehefrau vom Amtsgericht zu Gefängnisstrafen von über drei und über zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt worden.

In einer von ihnen vermieteten Wohnung über ihrer Zahnarztpraxis in Nettetal war eine Cannabis-Plantage mit 1300 Pflanzen entdeckt worden. Der bereits verurteilte Mieter der Wohnung hatte ausgesagt, er habe die Drogenplantage im Auftrag des Paares betrieben.

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Die Verteidiger halten das für eine Rache des Mieters an seinen Vermietern.

Den anonymen Tipp, durch den die Plantage aufgeflogen sei, habe der Zahnarzt der Polizei gegeben.

Update, 15.01 Uhr: Ehepaar in zweiter Instanz freigesprochen, Entschädigung von weit über 20.000 Euro

Erst in zweiter Instanz ist ein Zahnarzt-Ehepaar aus Nettetal am Niederrhein dem Gefängnis entronnen. Das Krefelder Landgericht sprach das Paar am Freitag vom Vorwurf frei, in großem Stil Drogenanbau und -handel betrieben zu haben.

Die Verteidiger hatten beteuert, dies sei eine Racheaktion des Mieters an seinen Vermietern gewesen. Der Dentist habe sogar einen Detektiv engagiert, um herauszufinden, was in seiner Wohnung passiert. Dieser Detektiv habe der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben.

Am Freitag hatte auch die Staatsanwältin einen Freispruch beantragt: Die Beweise hätten nicht gereicht.

"Es war ein besonderes Verfahren", sagte die Vorsitzende Richterin. "Der Hauptbelastungszeuge, der das Verfahren überhaupt erst in Gang gebracht hat, war nicht greifbar." Für Rache als sein Motiv, das Paar zu belasten, spreche viel, sagte die Richterin.

Die übrigen sogenannten Belastungszeugen hätten sich in erhebliche Widersprüche verstrickt. Zudem habe es bei den Ermittlungen "klare Versäumnisse" gegeben.

Den Eheleuten steht nun eine Entschädigung zu. Das dürften weit über 20.000 Euro sein, schätzte der Verteidiger des Zahnarztes.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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