Bandenkrieg zwischen Araber-Clan und Tschetschenen: Prozess-Auftakt gegen 44-Jährigen

Berlin - Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen arabischstämmigen Clan-Mitgliedern und Tschetschenen muss sich ab Mittwoch (9 Uhr) ein 44-Jähriger verantworten.

Am Abend des 7. Novembers sollen die Männer in Berlin-Wedding drei ihnen unbekannte Tschetschenen überfallen und mit Schlagstöcken, Eisenstangen und Messern misshandelt und schwer verletzt haben. (Symbolbild)
Am Abend des 7. Novembers sollen die Männer in Berlin-Wedding drei ihnen unbekannte Tschetschenen überfallen und mit Schlagstöcken, Eisenstangen und Messern misshandelt und schwer verletzt haben. (Symbolbild)  © picture alliance / Paul Zinken/dpa

Der Mann, der einer polizeibekannten Großfamilie zugeordnet wird, soll in Berlin-Wedding am 7. November 2020 in zwei Fällen mit Mittätern mehrere Männer attackiert haben.

Schlagstöcke, Eisenstangen und ein Messer seien dabei eingesetzt worden.

Hintergrund der Taten sollen Auseinandersetzungen zwischen Familienangehörigen des Angeklagten und tschetschenischstämmigen Beschuldigten gewesen sein, die gesondert juristisch verfolgt werden.

Der 44-Jährige muss sich in dem Prozess am Amtsgericht Tiergarten wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs verantworten.

Update, 15.02 Uhr: Angeklagtes Clanmitglied Nassan R. schweigt

Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen arabischstämmigen Clanmitgliedern und Tschetschenen in Berlin-Wedding hat ein Angeklagter zu Prozessbeginn geschwiegen. Der 44-jährige Nasser R., der einer polizeibekannten Großfamilie zugeordnet wird, soll in zwei Fällen mit weiteren Mittätern mehrere Männer attackiert haben. Die Anklage geht von Racheaktionen aus. Als erster Zeuge sagte am Mittwoch ein 24-Jähriger, ihm fremde Männer hätten ihn auf einem Parkplatz niedergeschlagen.

Nasser R. muss sich in dem Prozess am Amtsgericht Tiergarten wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs verantworten. Die mutmaßlichen Angreifer hätten eine zuvor erfolgte gewalttätige Auseinandersetzung vor dem Spätkauf des Angeschuldigten in Berlin-Neukölln zwischen gesondert verfolgten tschetschenischen Beschuldigten und Familienmitgliedern von Nasser R. vergelten wollen, heißt es in der Anklage.

Am Abend des 7. November 2020 sollen der Angeklagte und mindestens neun weitere Mittäter am Hanne-Sobek-Platz drei ihnen unbekannte Männer attackiert haben. Sie hätten zielgerichtet ihnen unbekannte Personen der ethnischen Volksgruppe der Tschetschenen verletzen wollen, so die Anklage. Auf einem Parkplatz seien sie an ein Fahrzeug herangetreten und hätten die Insassen gefragt, ob sie Tschetschenen seien.

Mit Schlagstöcken, Messern und Eisenstangen sollen die Opfer laut Anklage misshandelt worden sein. Ein Mann habe wegen zahlreicher Verletzungen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Einen Abend später soll der 44-Jährige zusammen mit Verwandten und Bekannten erneut zwei Tschetschenen angegriffen haben. Aus einer Menschenmenge von mindestens 20 Personen seien die Opfer unvermittelt geschlagen worden.

Nasser R. habe sich nicht durch eine elektronische Fußfessel, die er nach Verbüßung einer mehrjährigen Haftstrafe seit 2019 trug, von weiteren Taten abhalten lassen, teilte die Staatsanwaltschaft nach Anklageerhebung mit. Seit Februar 2021 befindet sich der Mann, der seit seiner Jugend bei Polizei und Justiz bekannt ist, in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am 28. Juli fortgesetzt.

Titelfoto: picture alliance / Paul Zinken/dpa

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