Daimler-Betriebsrat ins Koma geprügelt: So lange müssen Linksextreme ins Gefängnis

Stuttgart – Wegen eines brutalen Gruppen-Angriffs am Rande einer Corona-Demonstration in Stuttgart hat das Landgericht gegen zwei Männer mehrjährige Haftstrafen verhängt.

Nach der Attacke nahe des Wasengeländes in Stuttgart: Polizisten sind vor Ort, eine Person liegt am Boden. (Archiv)
Nach der Attacke nahe des Wasengeländes in Stuttgart: Polizisten sind vor Ort, eine Person liegt am Boden. (Archiv)  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Die Strafkammer verurteilte die beiden Angeklagten am Mittwoch in dem Indizienprozess zu viereinhalb und fünfeinhalb Jahren Gefängnis.

Die der linken Szene zugerechneten Männer hätten sich der gefährlichen Körperverletzung, der schweren Körperverletzung und des Landfriedensbruchs in einem besonders schweren Fall schuldig gemacht.

Der Richter sagte, man habe es mit einem "sehr traurigen Fall" zu tun. Die beiden jungen Angeklagten seien ideologisch verblendet und hätten eine schwere Straftat begangen.

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Sie sollen der Anklage zufolge mit einer größeren Gruppe Vermummter im Mai vergangenen Jahres drei Männer zusammengeschlagen haben, die bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Stuttgart dabei waren.

Die Opfer arbeiten beim Autokonzern Daimler und sind Betriebsratsmitglieder der rechten Gewerkschaft "Zentrum Automobil". Sie sollen Berichten zufolge enge Kontakte zur rechtsextremen Szene haben.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Update, 15.06 Uhr: Linksextreme Militanz steigt, Szene demonstriert am Gericht

Stuttgart, am Mittwoch: Ein Angeklagter (r.) wird vor der Verkündung des Urteils in den Gerichtssaal geführt.
Stuttgart, am Mittwoch: Ein Angeklagter (r.) wird vor der Verkündung des Urteils in den Gerichtssaal geführt.  © Bernd Weissbrod/dpa

Unterdessen teilte das Innenministerium mit, dass im ersten Halbjahr diesen Jahres die linksmotivierten Gewaltdelikte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 23 (Vorjahr: 24) auf einem konstanten Niveau lagen - ebenso wie bei den rechtsmotivierten Gewaltdelikten.

Hier wurden in den ersten sechs Monaten 2021 16 Fälle gezählt, im Vorjahreszeitraum waren es 15. Ungeachtet dessen sei im Zusammenhang der Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen im Großraum Stuttgart ein Anstieg linksextremistischer Militanz festgestellt worden.

Innenminister Thomas Strobl sagte anlässlich des Urteils: "Polizei und Justiz ermitteln Straftaten konsequent und ahnden diese hart – ganz gleich, mit welcher politischen Motivation sie begangen werden."

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Gewalt sei niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung.

In unmittelbarer Nähe des Gerichtsgebäudes in Stuttgart-Stammheim solidarisierten sich mehrere Dutzend Demonstranten mit den Angeklagten. Der Protest sei friedlich verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin.

Titelfoto: Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

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