Explosive Sendungen bei Lidl und co.: Verteidigung will angeblichen Bomber entlasten

Heidelberg/Ulm - Im Prozess um explosive Postsendungen an süddeutsche Lebensmittelfirmen steht eine aus Sicht der Verteidigung für den Angeklagten entlastende Expertise im Fokus.

Heidelberg im September: Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht im Gerichtssaal.
Heidelberg im September: Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht im Gerichtssaal.  © Uwe Anspach/dpa Pool/dpa

Mit einem von ihr initiierten anthropologischen Gutachten sollte ein Experte nach einem Abgleich von Körpermerkmalen feststellen, ob ein Video aus einer Überwachungskamera den Beschuldigten zeige. Seine Analyse wird er am Freitag (8.30 Uhr) vor dem Landgericht Heidelberg präsentieren.

Basis ist eine Aufnahme eines Mannes in einer Poststelle, in der explosive Post aufgegeben worden war. Der angeklagte Rentner ist auf freiem Fuß, weil kein dringender Tatverdacht mehr besteht.

Sein Rechtsanwalt will einen Freispruch seines Mandanten erreichen. Beim Prozessauftakt Anfang September hatte der gelernte Elektriker aus dem Raum Ulm die Vorwürfe bestritten.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor.

Sie ging bislang davon aus, dass er die Sprengvorrichtungen selbst gebaut hat. Der Rentner habe Geld von den Firmen erzwingen wollen.

Drei Verletzte beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm

Die Serie der explosiven Postsendungen hatte am 16. Februar in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden, als er ein Paket annahm.

Am Folgetag kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten.

Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen.

Update 10.33 Uhr: Angeklagter laut Polizist nicht auf Video erkennbar

Der Angeklagte ist auf Aufnahmen in einer Poststelle in Ulm nicht erkennbar. Die Person sei vollständig vermummt gewesen, habe eine Brille, einen Schal und eine FFP2-Maske getragen, sagte ein Polizist am Freitag vor Gericht.

Im Laufe des Verhandlungstags sollte auch ein Gutachter der Verteidigung vernommen werden. Mit einem von ihr initiierten anthropologischen Gutachten sollte ein Experte nach einem Abgleich von Körpermerkmalen feststellen, ob ein Video aus der Überwachungskamera der Poststelle den Beschuldigten zeige.

Basis ist die Aufnahme eines Mannes in einer Poststelle, in der die Paketbomben aufgegeben worden waren.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa Pool/dpa

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