Frauenleiche monatelang in Wohnung aufbewahrt: Ab heute steht der Lebensgefährte vor Gericht

Offenburg - Ein 66-Jähriger, der die Leiche seiner Lebensgefährtin in einen Plastiksack verpackt und zwei Monate lang in einer Wohnung aufbewahrt haben soll, muss sich ab Dienstag (9 Uhr) vor dem Offenburger Landgericht verantworten.

Der Prozess findet am Landgericht Offenburg statt. (Archiv)
Der Prozess findet am Landgericht Offenburg statt. (Archiv)  © Patrick Seeger/dpa

Der Mann soll im August 2020 mit der 71-Jährigen in Streit geraten sein, wie das Gericht mitteilte.

Schließlich habe er die Frau gewürgt, woraufhin sie mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen und gestorben sei.

Weil die Leiche bereits stark verwest war, als sie im Oktober in der Offenburger Wohnung entdeckt wurde, konnte die Rechtsmedizin die genaue Todesursache nicht feststellen.

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Angeklagt ist der Mann unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin habe er zudem mehrfach Geld mit ihrer EC-Karte abgehoben - insgesamt etwa 18.000 Euro, wie das Gericht mitteilte.

Deshalb muss er sich auch wegen Computerbetrugs verantworten.

Update 12.45 Uhr: Mann äußert sich vor Gericht nicht zur Tat

Zu den Vorwürfen äußerte er sich zu Beginn des Verfahrens nicht. Sein Leben schilderte er als stetige Abfolge von Gefängnisaufenthalten. In Haft habe er sich gut aufgehoben gefühlt. Nachbarn schilderten, wie der Mann 2020 plötzlich bei der 71-Jährigen eingezogen sei.

Als die Frau im August desselben Jahres plötzlich verschwand, habe der Mann immer wieder neue Gründe dafür vorgebracht: etwa eine Operation, eine Reise, abgesagte Flüge.

"Er hat sich in unsere Nachbarschaft eingeschlichen durch seine freundliche Art", sagte eine Nachbarin.

Update 13.59 Uhr: Er sei häufig im Gefängnis gewesen

Der Mann schildert sich vor Gericht als einen notorischen Betrüger; sein Leben sei ein ständiges "Rein-Raus" aus dem Gefängnis gewesen. Seine Antworten auf die Fragen des Gerichts zur Person sind vernuschelt und kaum zu verstehen. Insgesamt wirkt der gebürtige Franke fahrig, wendet sich immer wieder hilfesuchend an seinen Rechtsanwalt und gibt an, Fragen nicht zu verstehen. Im März habe er in U-Haft einen Schlaganfall erlitten.

Eine ganz andere Person scheinen Nachbarn der Toten zu beschreiben, die als Zeugen über den heute 66-Jährigen aussagen. Er sei "ratzfatz" eingezogen bei seiner neuen Freundin, sagt ein Nachbar. Ständig habe er Erdbeeren und anderes Obst an Nachbarn verschenkt und freundlich mit ihnen geplaudert. Er habe den Eindruck erweckt, der gut situierten Frau finanziell ebenbürtig zu sein. Diese habe ihn als perfekten Koch und sozial sehr engagiert beschrieben.

Als die rüstige 71-Jährige im Sommer 2020 plötzlich verschwand, sei ihr Freund nie um Erklärungen verlegen gewesen, berichtet der Nachbar: Sie sei im Krankenhaus und wolle keinen Besuch. Sie sei nach Portugal zu ihrem Ex-Freund gereist, um die Hunde nach Deutschland zu holen. Sie stecke wegen Corona in Portugal fest. Die Hunde seien in Quarantäne.

Erst nach vielen Wochen habe man gemeinsam mit anderen Nachbarn ernsthaft Verdacht geschöpft und schließlich die Polizei gerufen.

Ein Polizist, der mit dem Mann telefonierte, nachdem die Nachbarn aktiv geworden waren, sagte: Er habe sehr ruhig gewirkt und sich auch nicht verhaspelt, als er Gründe dafür vorbrachte, warum seine Freundin nicht selbst ans Telefon kommen könne. Dennoch sei schnell klar gewesen, dass da etwas nicht stimme. Bei einer Hausdurchsuchung wurde schließlich die Leiche entdeckt - sie war so stark verwest, dass die Todesursache nicht mehr eindeutig geklärt werden konnte.

Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 20. Juli fallen.

Titelfoto: Patrick Seeger/dpa

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