Marktmanipulation und Kreditbetrug: Einigung im Hess-Prozess?

Mannheim - Im Prozess um mögliche Unregelmäßigkeiten bei der ehemaligen Leuchtmittelfirma Hess AG soll es am Mittwoch (10 Uhr) in Mannheim erneut um eine Verständigung gehen.

Die Angeklagten müssen sich wegen Marktmanipulation und Kreditbetrug verantworten. (Symbolbild)
Die Angeklagten müssen sich wegen Marktmanipulation und Kreditbetrug verantworten. (Symbolbild)  © Uwe Aspach/dpa

In der vergangenen Woche hatte das Landgericht einen Vorschlag für die mögliche Verständigung unterbreitet. Dabei wurde unter anderem vom Vorsitzenden Richter aufgezeigt, welche Strafrahme bei einem Geständnis zu erwarten sei.

Den beiden angeklagten Männern werden vor dem Landgericht Mannheim unter anderem Marktmanipulation und Kreditbetrug vorgeworfen. Bisher war die Frage nach dem Strafmaß für die beiden ehemaligen Chefs auch der Knackpunkt mit Blick auf eine Verständigung.

Ob die Angeklagten auf den Vorschlag eingehen oder nicht, könnte sich am Mittwoch weisen. Grundsätzlich sei für den Verhandlungstag unter anderem auch die Vernehmung des ersten Zeugen geplant.

Die zwei Ex-Vorstände der Hess AG in Villingen-Schwenningen sollen 2011 und 2012 laut Anklage vor dem Börsengang Berichte über die Ertragslage des Konzerns geschönt haben.

Die Vorwürfe lauten gemeinschaftliche Verletzung der Buchführungspflichten, Marktmanipulation, schwere Untreue, Kreditbetrug und unrichtige Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch.

Update, 16.28 Uhr: Vorschlag für Einigung im Hess-Prozess angenommen

Im Prozess um Unregelmäßigkeiten bei der ehemaligen Leuchtmittelfirma Hess AG haben die beiden angeklagten Ex-Vorstände einen Verständigungsvorschlag des Landgerichts Mannheim angenommen. Auch hat die Staatsanwaltschaft Mannheim am Mittwoch einer Verständigung zugestimmt. Der vom Gericht vergangene Woche unterbreitete Vorschlag sieht ein Geständnis zu einem Teil der Anklagepunkte und jeweils Bewährungsstrafen vor. Gleichzeitig sollen mehrere Anklagepunkte fallengelassen werden. Die Ex-Vorstände der Hess AG in Villingen-Schwenningen sollen 2011 und 2012 laut Anklage (Az: 25KLs 635 Js 1962/13) vor dem Börsengang Berichte über die Ertragslage des Konzerns geschönt haben.

Vorgeworfen wird ihnen gemeinschaftliche Verletzung der Buchführungspflichten, Marktmanipulation, schwere Untreue, Kreditbetrug und unrichtige Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch. Im Falle einer erfolgreichen Verständigung würde der Vorwurf der Marktmanipulation fallen, außerdem teilweise die Anklage wegen unrichtiger Darstellung sowie der Untreue. Trotz der nun angenommenen Verständigung in dem seit Oktober laufenden Prozess um dubiose Kreislaufgeschäfte wird zunächst weiterverhandelt. Wie der Vorsitzende Richter sagte, würde eine Verständigung obsolet, kämen im Nachhinein belastende Fakten ans Licht.

Die Vernehmung eines früheren Mitarbeiters bot am Mittwoch Einblicke in das Geschäftsgebaren der Hess AG. Der 61 Jahre alte Diplom-Ökonom und Speditionskaufmann war seit Anfang der 2000er Jahre etwa für Betriebsabrechnungen, aber auch für die Verschmelzung der drei Bereiche Leuchtenfertigung, Gießerei und Stahlbau zuständig. Bei seiner Aussage beschrieb der Zeuge ein Unternehmen, das zeitweise von Überforderung und gleichzeitiger Überschätzung eigener Möglichkeiten geprägt war: "Das Ganze war eine Nummer zu groß."

Mit der Zeit seien immer mehr Projekte, etwa die Gründung verschiedener Gesellschaften und Umstrukturierungen, zu bewältigen gewesen. "Es wurde einfach immer komplizierter", sagte der Zeuge. Irgendwann habe man den Überblick verloren. Aus Verzweiflung habe man Probleme auf eine Weise bewältigt, wie man dies heute nicht mehr in Erwägung ziehen würde.

Titelfoto: Uwe Aspach/dpa

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