Marktmanipulation, Untreue: Haben Ex-Hess-Vorstände Berichte vor Börsengang geschönt?

Mannheim - Im Prozess um Unregelmäßigkeiten bei der ehemaligen Leuchtmittellfirma Hess AG geht das Ringen um eine Einigung weiter.

Der Prozess könnte vor dem Landgericht Mannheim zu einer Einigung kommen. (Symbolbild)
Der Prozess könnte vor dem Landgericht Mannheim zu einer Einigung kommen. (Symbolbild)  © DPA / Uwe Aspach

In der Hauptverhandlung am Donnerstag (10 Uhr) wollen Mannheimer Landgericht, Staatsanwaltschaft und die Verteidiger der beiden Ex-Manager zu einer Verständigung kommen.

Zuletzt waren die Beteiligten nach Einschätzung eines Anwalts einer Einigung deutlich näher gekommen. So müsse jetzt noch das konkrete Strafmaß festgelegt werden.

Er gehe - wie auch vom Gericht signalisiert - höchstens von einer Freiheitsstrafe auf Bewährung aus, so der Anwalt. Die höchste zur Bewährung auszusetzende Strafdauer betrage zwei Jahre.

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Die zwei Ex-Vorstände der Hess AG in Villingen-Schwenningen sollen 2011 und 2012 laut Anklage vor dem Börsengang Berichte über die Ertragslage des Konzerns geschönt haben.

Was haben die Ex-Vorstände wirklich gemacht?

Ihnen warf die Staatsanwaltschaft gemeinschaftliche Verletzung der Buchführungspflichten, Marktmanipulation, schwere Untreue, Kreditbetrug und unrichtige Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch vor. Das Verfahren gegen einen dritten Mann wegen Unterstützung ist eingestellt worden.

Nach den bisherigen Einlassungen stellten sich einige der Anklagepunkte mittlerweile in einem anderen Licht dar, wie der Richter gesagt hatte. Daher sei eine Verfahrenseinstellung diesbezüglich möglich.

Die Verständigung kommt zustande, wenn Angeklagte und Staatsanwaltschaft dem Vorschlag des Gerichtes zustimmen. Grundsätzlich sollte ein Geständnis Teil einer Einigung sein.

Update: 16.36 Uhr

Strafmaß ist Knackpunkt der Einigung

Das Ringen um eine Verständigung geht weiter. Der Knackpunkt ist das Strafmaß für die beiden ehemaligen Chefs, denen vor dem Landgericht Mannheim unter anderem Marktmanipulation und Kreditbetrug vorgeworfen wird.

Die Gespräche zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und den Verteidigern seien auf der Zielgeraden, sagte der Rechtsanwalt eines der Angeklagten, Mark Stöhr, am Donnerstag.

Die von ihm für seinen Mandanten ursprünglich angestrebte Geldstrafe sei den Richtern zu wenig, sagte der Anwalt. Eine Freiheitsstrafe von sieben bis elf Monaten zur Bewährung, wie sie sich das Gericht vorstelle, sei ihm zu hoch.

Er visiere sechs Monate Bewährungsstrafe an. Für den zweiten Angeklagten werde es wohl etwas höhere Strafen geben als für seinen Mandanten. Auch nach einer Verständigung werde weiterverhandelt, erläuterte Stöhr.

Den nächsten Anlauf können alle Parteien am kommenden Mittwoch nehmen, wenn die Hauptverhandlung fortgesetzt wird.

Stöhr sagte, das Gericht werde die überwiegende Zahl der Anklagepunkte fallenlassen.

Dafür werde sein Mandant dann einräumen, gegen Regeln verstoßen zu haben; er habe dies aber nicht gewollt, sondern billigend in Kauf genommen. Die höchste zur Bewährung auszusetzende Strafdauer beträgt zwei Jahre.

Titelfoto: DPA / Uwe Aspach

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