Paketbomben an Lidl und Co.: Darum kam der Angeklagte frei

Heidelberg/Ulm - Wegen neuer Gutachten ist ein für die Absendung explosiver Postsendungen an süddeutsche Lebensmittelfirmen angeklagter Mann aus der Untersuchungshaft gekommen.

Heidelberg im September: Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht im Gerichtssaal.
Heidelberg im September: Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht im Gerichtssaal.  © Uwe Anspach/dpa Pool/dpa

Die neuen Erkenntnisse hätten zu einer neuen Gesamtbewertung geführt – es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Heidelberg am Dienstag.

Eines der Gutachten sei Gegenstand der Verhandlung am Freitag kommender Woche (15. Oktober). Ein Urteil sei Mitte November zu erwarten.

Unter den von der Verteidigung eingebrachten Expertisen ist laut Rhein-Neckar-Zeitung ein sogenanntes anthropologisches Gutachten. Dabei könne ein Experte anhand von Körpermerkmalen beweisen, dass das Video von einer Überwachungskamera nicht den Beschuldigten zeige.

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"Er ist froh, nach so langer Zeit wieder auf freiem Fuß zu sein", sagte der Rechtsanwalt des 66-Jährigen, Steffen Lindberg. Sein Ziel sei ein Freispruch seines Mandanten.

Beim Prozessauftakt Anfang September hatte der gelernte Elektriker aus dem Raum Ulm die Vorwürfe bestritten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Sie ging bislang davon aus, dass er die Sprengvorrichtungen selbst gebaut hat. Der Rentner habe Geld von den Firmen erzwingen wollen.

Paketbomben bei Lidl und Hipp

Die Serie der explosiven Postsendungen hatte am 16. Februar in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden, als er ein Paket annahm.

Am Folgetag kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen.

Der 66-Jährige sei weiterhin geladen und könne sich im Prozess äußern, sagte die Gerichtssprecherin. Die Beweisaufnahme werde an diesem Freitag (8. Oktober) und Montag (11. Oktober) mit der Befragung von Polizeibeamten zu einem Hundeeinsatz bei den Ermittlungen fortgesetzt.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa Pool/dpa

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