Schwiegersohn und Haus angezündet: Wollte ein 88-Jähriger töten?

Malsch - Nach einem verheerenden Feuer in Malsch bei Karlsruhe muss sich ein 88-Jähriger nun vor Gericht verantworten.

Einsatzkräfte am 23. März vor dem brennenden Gebäude in Malsch.
Einsatzkräfte am 23. März vor dem brennenden Gebäude in Malsch.  © Aaron Klewer / Einsatz-Report24

Dem Deutschen werden unter anderem versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung zur Last gelegt, wie die Karlsruher Staatsanwaltschaft am Montag mitteilt.

Der Prozess beginnt am morgigen Dienstag (9 Uhr) am Landgericht Karlsruhe, vier Verhandlungstage sind angesetzt.

Der Senior soll sich laut der Anklagebehörde am Abend des 23. März "zu einem Mehrfamilienhaus in Malsch begeben und die dortige Terrasse sowie seinen im weiteren Verlauf hinzugekommenen Schwiegersohn mit einer brandbeschleunigenden Flüssigkeit übergossen und die Flüssigkeit sodann mithilfe eines Streichholzes entzündet (...) haben".

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Der Staatsanwaltschaft zufolge wollte der Mann das Haus anzünden und seinen Schwiegersohn (60) töten.

Dieser erlitt dabei Brandverletzungen an beiden Händen und Armen. "Schwerere Verletzungen und der Tod des Geschädigten konnten dadurch verhindert werden, dass sich der Geschädigte - noch brennend - sofort wieder in das Haus zurückbegab und das Feuer mit seinen Händen ausschlug", heißt es weiter.

88-Jähriger flüchtete mit Auto

Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf insgesamt etwa 1,4 Millionen Euro.

Wie bereits berichtet konnten sich damals neun Bewohner ins Freie retten. Der Angeklagte flüchtete nach dem Vorfall mit seinem Auto, konnte später festgenommen werden.

Wegen einer nahen Gasleitung waren angesichts des brennenden Hauses vorsorglich auch Nachbarhäuser evakuiert worden. Insgesamt mussten 27 Anwohner in Sicherheit gebracht werden. Sie kamen vorübergehend im Bürgerhaus unter.

Update, 5. Oktober: Senior bestreitet Absicht

Der Angeklagte hat im Prozess Absicht bestritten. Vor dem Landgericht Karlsruhe sagte der Mann am Dienstag, er habe nach finanziellen Streitigkeiten mit seiner Tochter und dem Schwiegersohn eigentlich nur ein Zeichen setzen wollen, dass es so nicht weitergehe, wie die dpa berichtet.

Ziel sei es demnach gewesen, eine Scheibe anzuzünden - nicht aber das Haus und seinen Schwiegersohn. "Ich wollte niemanden töten, das war nicht meine Absicht."

Das Opfer, das Brandverletzungen an beiden Händen und Armen erlitt, sagte hingegen aus, dass der Schwiegervater nach seiner Einschätzung gezielt gehandelt habe.

Titelfoto: Aaron Klewer / Einsatz-Report24

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