Vater hielt seine Tochter für eine "Ungläubige": Anklage wegen versuchten Mordes

Ulm - Weil er versucht haben soll, seine 31-jährige Tochter mit einem Messer zu töten, muss sich ab Montag (13.30 Uhr) ein 60-Jähriger vor dem Landgericht in Ulm verantworten.

Der Angeklagte muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Ulm verantworten.
Der Angeklagte muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Ulm verantworten.  © Stefan Puchner/dpa

Der Mann soll seine Tochter für eine "Ungläubige" gehalten haben, wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte.

Mit elf Messerstichen soll er im September 2020 in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) versucht haben, seine Tochter zu töten, um sie für ihre aus seiner Sicht zu freizügige Lebenseinstellung zu bestrafen.

Die junge Frau konnte ihren Vater aber zur Seite stoßen und flüchten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung zur Last.

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Die Tochter nimmt an dem Verfahren als Nebenklägerin teil.

Es sind fünf Prozesstage bis Ende März angesetzt.

Update, 16.22 Uhr: Angeklagter schweigt vor Gericht

Vor Gericht schwieg der 60-Jährige zu den Vorwürfen, auch zu seiner religiösen Gesinnung. Angaben zu seiner Staatsangehörigkeit und Lebenssituation wollte er nicht machen. Sein Anwalt schloss jedoch nicht aus, dass er zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Aussage bereit sei.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Tochter ihren Vater vor der Tat in dessen Wohnung in Allmendingen (Alb-Donau-Kreis) besucht. Weil er sie abends nach Hause begleiten wollte, sei der Angeklagte mit seiner Tochter mit dem Zug nach Ehingen gefahren.

Dort soll es dann in einer Parkanlage in der Nähe des Bahnhofs zu dem Angriff gekommen sein. Demnach griff der Mann seine Tochter plötzlich von hinten an, hielt ihr den Mund zu und stach mit großer Kraft elf Mal auf sie ein.

Die 31-Jährige konnte den Angeklagten zur Seite stoßen und fliehen. Sie wurde im Krankenhaus behandelt und überlebte die Attacke. Die Anzahl und Intensität der Stiche legten nahe, dass er den Tod der Frau billigend in Kauf genommen habe, sagte der Staatsanwalt.

Es sind vier weitere Verhandlungstage bis Ende März geplant.

Titelfoto: Stefan Puchner/dpa

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