Zoff bei der Staatsanwaltschaft: Hat eine Sekretärin Akten weggeworfen?

Heilbronn - Mit einem ungewöhnlichen Streit in den Reihen der Staatsanwaltschaft muss sich das Heilbronner Amtsgericht am Dienstag (13.30 Uhr) auseinandersetzen.

Der Fall wird am Heilbronner Amtsgericht verhandelt. (Archiv)
Der Fall wird am Heilbronner Amtsgericht verhandelt. (Archiv)  © Sebastian Gollnow/dpa

Eine Justizobersekretärin soll zahlreiche Unterlagen ins Altpapier geschmissen haben, statt die Akten zu bearbeiten oder einzusortieren.

Warum? Das ist noch nicht bekannt.

"Diese Frage ist bislang ungeklärt", sagte ein Sprecher des Amtsgerichts vor dem Auftakt des Prozesses. "Die Klärung bleibt wohl der Hauptverhandlung vorbehalten."

Lange Haftstrafe für den Drogen-Wirt aus der Neustadt
Gerichtsprozesse Dresden Lange Haftstrafe für den Drogen-Wirt aus der Neustadt

Fest steht aber, dass neben Mitteilungen des Bundeszentralregisters zur Gesamtstrafenbildung auch Ratenzahlungsgesuche, Kostenrechnungen und Mitteilungen von Gerichtsvollziehern zu Zwangsvollstreckungen im Müll landeten.

Kein neuer Fall für das Amtsgericht: Es hat bereits auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart einen Strafbefehl wegen Urkundenunterdrückung und Verwahrungsbruchs im Amt erlassen.

Gegen die Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen und insgesamt 2500 Euro wehrt sich die 1991 geborene Frau aber, sie hat Einspruch eingelegt.

Update, 16.36 Uhr: Sekretärin bestreitet Vorwürfe

Die Sekretärin bestritt vor Gericht, Dokumente unbearbeitet weggeschmissen zu haben. Sie deutete am Dienstag vor dem Amtsgericht an, es könnten auch andere Mitarbeitende gewesen sein.

Ihr Büro sei wegen des Faxgeräts immer offen gewesen, sagte die 29-Jährige am Dienstag in Heilbronn aus.

Ob am Dienstag auch ein Urteil gesprochen wird, war zunächst unklar.

Update, 17.16 Uhr: Fortsetzung am 6. September

Im Streit um Akten im Altpapier der Heilbronner Staatsanwaltschaft zieht sich die Entscheidung des Amtsgerichts der Stadt länger hin als geplant.

Anklage, Kammer und Verteidigung konnten sich am Dienstag zum Auftakt des Prozesses gegen eine Justizobersekretärin nicht über eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen einigen.

Einen entsprechenden Vorschlag des Gerichts lehnte die Staatsanwaltschaft nach mehreren Zeugenaussagen ab. Am 6. September soll der Rechtsstreit vor dem Heilbronner Gericht fortgesetzt werden.

Update, 16. September: Freispruch

Die Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Heilbronn ist vor Gericht freigesprochen worden - wegen mangelnder Beweise.

Das Amtsgericht Heilbronn gehe aber aufgrund der Aussagen von Kollegen der 29-jährigen Justizobersekretärin davon aus, dass die Frau die Straftat begangen haben könnte, sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag. Die Anklage hatte auf Urkundenunterdrückung und Verwahrungsbruch gelautet.

Die Angeklagte hatte bestritten, von März bis Mai 2020 Dokumente unbearbeitet weggeworfen zu haben. Ihr Büro sei wegen des dortigen Faxgeräts immer offen gewesen, sagte die 29-Jährige. So hätten andere unbemerkt Dokumente von ihrem Schreibtisch in den darunter stehenden Altpapierkarton befördern können, um sie bei den Vorgesetzten anzuschwärzen.

In der Abteilung der Anklagebehörde sei es immer wieder zu heftigen Streitereien gekommen, hatten Zeugen und die Angeklagte ausgesagt.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Baden-Württemberg: