13-Jähriger ertrinkt beim Ruder-Training: Betreuer zu Geldstrafen verurteilt

Von Christof Rührmair

Starnberg - Vor dem Amtsgericht Starnberg wird am Montag das Urteil im Prozess um den tödlichen Ruderunfall eines 13 Jahre alten Jungen vor sechs Jahren erwartet.

Den Angeklagten (1.v.l. sowie 3.v.l.) wird vorgeworfen, ihre Sorgfaltspflicht verletzt zu haben.
Den Angeklagten (1.v.l. sowie 3.v.l.) wird vorgeworfen, ihre Sorgfaltspflicht verletzt zu haben.  © Christof Rührmair/dpa

Am zweiten Verhandlungstag stehen zunächst die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung an.

Auch ein Urteil ist danach wahrscheinlich: Die Vorsitzende Richterin hatte sich bereits am ersten Verhandlungstag im Juni entschlossen gezeigt, das Verfahren zügig abzuschließen.

Davor hatten die Eltern des toten Jungen jahrelang um den Prozess gekämpft.

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Angeklagt sind die beiden Betreuer der Rudergruppe. Sie hatten im April 2015 ein Training mit mehreren Schülern auf dem Starnberger See geleitet.

Der 13-Jährige übte ohne Schwimmweste oder Neoprenanzug allein in einem Ruderboot, zunächst in der Nähe des Stegs.

Abseits der Gruppe ertrank er im kalten Wasser. Den Männern wird fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen.

Update 11.15 Uhr: Staatsanwaltschaft fordert Geldstrafen für tödlichen Ruderunfall

Die Angeklagten (1.v.l. sowie 3.v.l.) sitzen mit ihren Verteidigern vor dem Start der Verhandlung im Gerichtssaal des Amtsgerichts.
Die Angeklagten (1.v.l. sowie 3.v.l.) sitzen mit ihren Verteidigern vor dem Start der Verhandlung im Gerichtssaal des Amtsgerichts.  © Christof Rührmair/dpa

Im Prozess um den tödlichen Unfall eines 13-Jährigen beim Rudertraining auf dem Starnberger See hat die Anklage Geldstrafen gefordert.

Die Staatsanwaltschaft schlug für die beiden Trainer des Jungen, denen fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen wird, am Montag vor dem Amtsgericht Starnberg Geldstrafen von 70 beziehungsweise 50 Tagessätzen vor. Die Nebenklage kritisierte dies allerdings als unangemessen und zu niedrig.

Der 13-Jährige sei am Tag des Unfalls "ganz alleine" gewesen als er auf den See gerudert sei, sagte die Anwältin der Nebenklage. Er sei ganz alleine gewesen als er ins Wasser geriet und bemerkte, wie kalt und tödlich es war und beim "verzweifelten Kampf, wieder ins Boot zu kommen". "Und er war alleine, hohes Gericht, als er schließlich aufgeben musste und ertrunken ist."

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Der Tod eines Kindes sei immer eine Tragödie, sagte die Anwältin, doch in diesem Fall sei es kein Schicksal gewesen sondern gehe auf Entscheidungen der Angeklagten zurück. Sie hätten gegen mehrere Sorgfaltspflichten verstoßen und seien schlampig vorgegangen.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht vorgeworfen. Hätten sie den Jungen nicht alleine gelassen, hätte es nicht zum Ertrinken kommen können.

Mit den geforderten Strafen, die Summen von 7000 beziehungsweise 25.000 Euro bedeuten, liegt sie allerdings nur etwa bei der Hälfte der bei der ursprünglichen Einstellung des Verfahrens bezahlten Geldauflagen.

Update 13.05 Uhr: Geldstrafen im Prozess um tödlichen Unfall beim Rudertraining

Der Prozess um den Tod eines 13-Jährigen beim Rudertraining auf dem Starnberger See ist mit Geldstrafen für die beiden angeklagten Trainer zu Ende gegangen.

Das Amtsgericht Starnberg verurteilte die beiden Männer am Montag wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu je 90 Tagessätzen zu 30 Euro. Bei der Höhe der Tagessätze berücksichtigte es bereits geleistete Zahlungen der Männer an gemeinnützige Organisationen von rund 10.000 beziehungsweise 35.000 Euro.

"Wir wissen nicht viel", sagte Richterin Karin Beuting. Am Ende bleibe aber der Vorwurf, dass die beiden Trainer den 13-Jährigen nicht ausreichend beaufsichtigt hätten.

Am Tag des Unglücks habe es eine erhöhte Gefährdung gegeben, sagte sie in Richtung der Angeklagten. "Was ich Ihnen ankreide ist, dass trotz dieser erhöhten Gefährdung so lange nicht geschaut wurde." Dies sei ein Fehler gewesen, der den 13-Jährigen das Leben gekostet habe.

Der 13-Jährige war im April 2015 beim Rudertraining abseits der Gruppe aus ungeklärten Gründen ins Wasser geraten und im kalten See ertrunken.

Titelfoto: Christof Rührmair/dpa

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