Ebay-Zoff vor BGH: "Versandkosten Wucher"-Bewertung sorgt für Zündstoff

Bayern/Karlsruhe - Der Bundesgerichtshof (BGH) befasste sich am Mittwoch mit der Frage, wie fundiert Kritik von Käufern und Käuferinnen auf der Internetplattform Ebay sein muss.

Wegen der Kritik an möglicherweise zu hoher Versandkosten schaltet sich nun der Bundesgerichtshof in einen Ebay-Streit ein.
Wegen der Kritik an möglicherweise zu hoher Versandkosten schaltet sich nun der Bundesgerichtshof in einen Ebay-Streit ein.  © 123RF/kzenon

Und wann Verkäufer und Verkäuferinnen einen Anspruch darauf haben, dass eine negative Bewertung wieder entfernt wird.

In dem Fall hatte ein Mann über Ebay bei einem Unternehmen aus Bayern vier Gelenkbolzenschellen gekauft. Von den gezahlten 19,26 Euro waren 4,90 Euro Versandkosten.

Als Bewertung schrieb er nach Erhalt der Produkte im Bewertungsprofil: "Ware gut, Versandkosten Wucher!!"

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In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Ebay heißt es zum Thema Bewertungen: "Nutzer sind verpflichtet, in den abgegebenen Bewertungen ausschließlich wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Die von Nutzern abgegebenen Bewertungen müssen sachlich gehalten sein und dürfen keine Schmähkritik enthalten."

So werden Äußerungen genannt, bei denen es nicht um die Sache geht, sondern das Herabwürdigen im Vordergrund steht. Beide Seiten hatten den AGB zugestimmt.

Die obersten Zivilrichterinnen und -richter in Karlsruhe müssen klären, ob die genannte Kundenkritik gegen die Ebay-AGB verstößt. Die Verkäuferin hält die Bewertung "Versandkosten Wucher!!" für unzulässig und will, dass dieser Kommentar entfernt wird.

Landgericht Weiden wertete Rezension als Schmähkritik

Negative Wertungen bei Online-Händlern können künftige Kunden abschrecken. Doch nicht jede Kritik ist auch rechtens.
Negative Wertungen bei Online-Händlern können künftige Kunden abschrecken. Doch nicht jede Kritik ist auch rechtens.  © Monika Skolimowska/dpa

Das Amtsgericht in Weiden in der Oberpfalz hatte das abgelehnt. Es sah keinen Fall von Schmähkritik, weil die Bewertung in einen Zusammenhang mit den Versandkosten gestellt sei.

Das Landgericht in Weiden wiederum entschied im Berufungsverfahren, dass es sehrwohl um Schmähkritik gehe.

Es handele sich um eine überspitzte Beurteilung ohne sachlichen Bezug, weil für einen objektiven Leser nicht erkennbar sei, warum die Versandkosten "Wucher" sein sollen, erläuterte der BGH.

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Gegen dieses Urteil ging der Käufer in Revision. Ob es am Mittwoch schon eine Entscheidung am BGH gibt, ist offen.

Aus Sicht von Rechtsanwalt Sebastian Lehr, der die Firma Schlauchland GmbH in Weiden vertrat, handelt es sich um eine Art Präzedenzfall, "da die rechtliche Frage zu klären ist, inwieweit die Abgabe einer negativen Bewertung eine vertragliche Nebenpflichtverletzung darstellen kann".

Solche Bewertungen stellten ein erhebliches Ärgernis für nahezu den gesamten Online-Handel dar, teilte der Jurist mit. Viele Kunden vertrauten auf die Bewertung vormaliger Käufer. Das sei teils wichtiger als der Ruf einer Marke oder eines Unternehmens.

Finanzieller Schaden sei nicht abzuschätzen

Ungerechtfertigte negative Bewertungen seien demzufolge erheblich geschäftsschädigend, betonte Lehr.

Der finanzielle Schaden sei nicht abzuschätzen, weil unklar sei, wie viele potenzielle Kunden sich auf diese Weise abschrecken lassen. Negative Bewertungen seien keine Ausnahme. "Diese kommen leider immer wieder einmal vor."

Es ist nach seinen Angaben auch keine Seltenheit, dass Kunden mit absichtlich negativen Kommentaren drohten, um etwa Preisnachlässe oder eine Rückgabe von Waren nach Ablauf der Widerrufsfrist durchzusetzen.

Titelfoto: Monika Skolimowska/dpa

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