Frauen-Diskriminierung beim Brauchtums-Fischen? Gericht schlägt gütliche Einigung vor

Memmingen - Der Prozess um Diskriminierung von Frauen beim traditionellen Fischertag in Memmingen geht am Mittwoch (9 Uhr) in die zweite Runde.

Christiane Renz, Klägerin im Fischertagsprozess, sitzt am Stadtbach in Memmingen.
Christiane Renz, Klägerin im Fischertagsprozess, sitzt am Stadtbach in Memmingen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Klägerin Christiane Renz hatte in erster Instanz vor dem Amtsgericht gegen die Veranstalter des jährlichen Brauchtums-Fischens in der Stadt im Allgäu gewonnen. Dass nur Männer daran aktiv teilnehmen dürfen, sei Diskriminierung.

Gegen das Urteil hatte der Fischertagsverein Berufung eingelegt. Nun wird der Fall am Memminger Landgericht neu aufgerollt. Mit einem Urteil ist nach Angaben des Gerichts aber erst zwei bis drei Wochen später zu rechnen.

Beim traditionellen Höhepunkt des Fischertags springen die Teilnehmer jedes Jahr im Sommer in den Memminger Stadtbach und holen Forellen aus dem Wasser. Wer den größten Fisch fängt, darf sich ein Jahr lang Fischerkönig nennen.

Vier Jungs vergewaltigen 15-Jährige und filmen alles, während kleiner Bruder des Opfers zur Geisel wird
Missbrauch Vier Jungs vergewaltigen 15-Jährige und filmen alles, während kleiner Bruder des Opfers zur Geisel wird

Die Satzung des Vereins, der das Spektakel organisiert, sieht vor, dass nur männliche Mitglieder fischen dürfen. Frauen bleibt die Rolle der "Kübelmädle" am Rand des Stadtbachs vorbehalten.

Dagegen hatte Christiane Renz erfolgreich geklagt. Das Urteil im Verfahren könnte wegweisend für andere Männerbastionen bei Vereinsveranstaltungen sein.

Fischertagsverein beruft sich auf Vereinsfreiheit

Christiane Renz hatte für eine Teilnahme von Frauen am traditionellen Fischertag geklagt. Das Gericht gab ihr Recht. Der Verein legte Berufung gegen das Urteil ein.
Christiane Renz hatte für eine Teilnahme von Frauen am traditionellen Fischertag geklagt. Das Gericht gab ihr Recht. Der Verein legte Berufung gegen das Urteil ein.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Memminger Amtsgericht hatte im August 2020 geurteilt, eine männliche Tradition allein sei bei einer Veranstaltung mit herausragender Bedeutung kein zulässiger Grund für Diskriminierung.

Der Fischertagsverein mit rund 4500 Mitgliedern habe eine besondere soziale Machtstellung in der Stadt und müsse sich an den Grundsatz der Gleichbehandlung im Grundgesetz halten.

Der Verein hatte sich dagegen auf die Vereinsfreiheit berufen und argumentiert, Frauen könnten sich abseits des Fischens in jedem Bereich engagieren.

Mann wird nachts im Schlafzimmer angegriffen: Grund der brutalen Attacke macht sprachlos!
Polizeimeldungen Mann wird nachts im Schlafzimmer angegriffen: Grund der brutalen Attacke macht sprachlos!

Der Fischertag geht darauf zurück, dass früher der städtische Bach einmal jährlich leer gefischt wurde, um den Kanal zu reinigen. Diese Tradition ist nach Angaben des Vereins bis ins 16. Jahrhundert zurückzuverfolgen.

Heutzutage kommen jedes Jahr Zehntausende Besucher zu dem Fest in die Stadt. Umstritten ist das Treiben aber nicht nur wegen des Ausschlusses von Frauen beim Ausfischen. Tierschützer kritisieren die Brauchtumsveranstaltung schon lange als Tierquälerei.

Dieses Jahr wird der Fischertag nach Angaben der Stadt Memmingen wie schon im vergangenen Sommer coronabedingt nicht in vollem Umfang gefeiert. Das traditionelle Ausfischen des Stadtbachs werde "in keinem Fall" stattfinden, sagte eine Sprecherin.

Ganz ausfallen soll das Fest nach Angaben des Fischertagsvereins aber nicht: "Es gibt auf jeden Fall ein Alternativprogramm", sagte ein Sprecher. Über die Details habe der Verein aber noch nicht entschieden.

Update, 10.49 Uhr: Gericht schlägt bei Prozess um Fischertag gütliche Einigung vor

Im Gerichtsstreit um Diskriminierung von Frauen beim traditionellen Fischertag in Memmingen hat das Landgericht am Mittwoch eine gütliche Einigung vorgeschlagen.

Der Fischertagsverein könne zum Beispiel eine Ausnahmeregelung in seiner Satzung nutzen, um der Klägerin die Teilnahme am Ausfischen des Stadtbachs zu erlauben, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Memmingen, Konrad Beß. Denkbar sei auch, eine weitere Untergruppe für Stadtbach-Fischerinnen oder einen eigenen Verein für Frauen zu gründen.

Für eine gütliche Einigung gebe es mehrere gute Gründe, betonte Beß. Es gehe um die Abwägung der Grundrechte von Vereinsfreiheit und Gleichbehandlung. Das Risiko, in diesem Streit zu verlieren, sei für beide Parteien groß. Auf den Verlierer kämen zudem vermutlich hohe Prozesskosten zu - vor allem, wenn das Verfahren bis vor das Bundesverfassungsgericht oder den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehe, sagte Beß.

Eine Revision durch den Bundesgerichtshof werde das Landgericht bei einem Urteil in jedem Fall zulassen. Anschließend wurde das Verfahren in der Memminger Stadthalle für Beratungen der Parteien unterbrochen.

Eine Klägerin hatte in erster Instanz vor dem Amtsgericht gegen die Veranstalter des jährlichen Brauchtums-Fischens gewonnen. Dass nur Männer am Höhepunkt des Fischertags aktiv teilnehmen dürfen, sei Diskriminierung. Gegen das Urteil hatte der Fischertagsverein Berufung eingelegt.

Bei der Veranstaltung springen die Teilnehmer jedes Jahr im Sommer in den Memminger Stadtbach und holen Forellen aus dem Wasser. Wer den größten Fisch fängt, wird Fischerkönig.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Bayern: