Gefangenen in Zelle tödlich verletzt: Mithäftling vor Gericht

Traunstein/Bernau - Vor dem Landgericht Traunstein beginnt am Dienstag (9 Uhr) ein Prozess um den gewaltsamen Tod eines Häftlings. Der Zellengenosse des Mannes steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht.

Das Tor zur Justizvollzugsanstalt in Bernau am Chiemsee. Offenbar geschahen dort noch weitere Gewalttaten.
Das Tor zur Justizvollzugsanstalt in Bernau am Chiemsee. Offenbar geschahen dort noch weitere Gewalttaten.  © picture alliance / dpa

Er soll seinen Mithäftling im Oktober vergangenen Jahres in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau am Chiemsee so heftig in den Schwitzkasten genommen haben, dass das Opfer am Tag darauf im Krankenhaus an den Folgen starb.

Der Mann aus Mali soll an einer Schizophrenie leiden und schuldunfähig sein.

Der mutmaßliche Täter hatte eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe wegen eines versuchten Tötungsdelikts abzusitzen und wäre voraussichtlich im Herbst 2022 freigekommen.

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Der Getötete war wegen eines Sexualdelikts inhaftiert. Er war laut Polizei verurteilt. Jedoch war das Urteil nicht rechtskräftig, da dagegen Rechtsmittel eingelegt wurden.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Fall in der JVA Bernau aktenkundig wurde.

Auch ein Jahr zuvor soll dort ein Häftling einen Mitgefangenen so schwer attackiert haben, dass dieser an den Folgen starb, wie das bayerische Justizministerium mitteilte.

Gefangenengewerkschaft: Dieses System ignoriert viel

Allein die bayerischen Justizvollzugsanstalten (JVA) meldeten nach Ministeriumsangaben für das vergangene Jahr insgesamt 226 Tätlichkeiten von Häftlingen.

In 190 Fällen richteten sich diese Tätlichkeiten gegen Mithäftlinge, in 36 gegen Bedienstete.

Die Gefangenengewerkschaft GGBO fordert mehr Aufmerksamkeit für Gewalt in Haftanstalten. "Das Thema ist da, aber es wird oft nicht ernstgenommen", sagte Sprecher Manuel Matzke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist so, dass dieses System viel ignoriert. Das liegt auch am Personalmangel."

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