Deutscher wegen Agententätigkeit angeklagt: Hat Jens F. für Russland spioniert?

Berlin/Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen 55-jährigen Deutschen, der dem russischen Geheimdienst Informationen über Liegenschaften des Bundestags weitergegeben haben soll.

Jens F. wird beschuldigt, geheime Informationen an einen Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin übermittelt zu haben.
Jens F. wird beschuldigt, geheime Informationen an einen Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin übermittelt zu haben.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Jens F. (55) soll wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin der Prozess gemacht werden, teilte die Anklagebehörde am Donnerstag in Karlsruhe mit.

Der Mann aus dem Raum Berlin arbeitete demnach für eine Firma, die mehrfach vom Deutschen Bundestag beauftragt worden war, elektrische Geräte zu überprüfen.

Deshalb habe er Zugriff auf Dateien mit den Grundrissen der Liegenschaften des Bundestags gehabt.

Spätestens Mitte 2017 habe er sich "aus eigenem Antrieb" entschlossen, die Daten an den russischen Nachrichtendienst weiterzugeben.

Zu diesem Zweck habe er eine selbstgebrannte CD-Rom mit den entsprechenden PDF-Dateien angefertigt und an einen Mitarbeiter in der russischen Botschaft in Berlin geschickt.

Dieser sei hauptamtlich für den russischen Militärgeheimdienst GRU tätig.

Die Bundesanwaltschaft informiert bei Twitter über die Anklage gegen Jens F.

Der 55-Jährige sei nicht in Untersuchungshaft, weil es keinen dringenden Tatverdacht und keine Fluchtgefahr gebe, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Das Motiv des Mannes sei noch unklar, er habe jedenfalls vorher keine Kontakte nach Russland gehabt. Wodurch der mutmaßliche Spion aufgeflogen ist, wollte der Sprecher nicht sagen.

Update, 12.59 Uhr: FDP zeigt sich empört, Russland gibt Stellungnahme ab

Die FDP zeigte sich empört: "Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, wäre dies ein ungeheuerlicher Vorgang. Nach dem Cyberangriff von 2015 wäre der russische Geheimdienst ein weiteres Mal in einen Sicherheitsvorfall involviert", sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer, Marco Buschmann (43).

Der Vorfall müsse "restlos aufgeklärt werden und Konsequenzen für die Absicherung des Deutschen Bundestages haben". "Es droht eine weitere Belastung des deutsch-russischen Verhältnisses, was sehr bedauerlich wäre", sagte der FDP-Politiker.

Die Reaktion aus Russland kam prompt. "Derartige Berichte über erwischte 'russische Spione' befeuern nur eine antirussische Informationskampagne, um den Mythos der Moskauer Aggression zu unterstützen", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Leonid Sluzki (53), der Agentur Interfax.

Zudem stelle er sich die Frage, warum der Fall erst jetzt bekannt wurde und nicht schon 2017. "Der Verfolgungswahn verstärkt sich."

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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