Er raste Fabien M. (†21) tot: Hauptkommissar schweigt auch in Berufungsprozess

Berlin - Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem tödlichen Zusammenstoß eines Funkstreifenwagens mit dem Auto der 21-jährigen Fabien beginnt am Donnerstag ab 9 Uhr der Berufungsprozess gegen einen Berliner Polizisten.

Am Donnerstag beginnt am Landgericht Berlin der Berufungsprozess gegen einen Polizisten, der im Januar 2018 mit seinem Streifenwagen einen tödlichen Unfall verursacht hat. (Archivfoto)
Am Donnerstag beginnt am Landgericht Berlin der Berufungsprozess gegen einen Polizisten, der im Januar 2018 mit seinem Streifenwagen einen tödlichen Unfall verursacht hat. (Archivfoto)  © Maurizio Gambarini/dpa

Der 53-Jährige war im Dezember 2020 wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Gegen die Entscheidung des Amtsgerichts Tiergarten hatten sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage Berufung eingelegt. Nun prüft das Landgericht Berlin den Fall.

Der Beamte war am 29. Januar 2018 in Berlin-Mitte mit Blaulicht, Signalhorn und überhöhter Geschwindigkeit auf dem Weg zu einem Einsatz, als er den Wagen der jungen Frau rammte, die gerade einparken wollte.

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Laut Staatsanwaltschaft war der Polizist nach einer Tunnelausfahrt mit 130 Kilometern pro Stunde unterwegs. Bei der Kollision sei noch eine Geschwindigkeit von 93 km/h festgestellt worden. Die 21-Jährige verstarb noch am Unfallort.

Polizist stand bei Crash unter Alkoholeinfluss

Der Fall hatte öffentlich große Wellen geschlagen. Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer mitangeklagt.

Das musste aber nach einem Gerichtsbeschluss fallen gelassen werden, weil die beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten nicht als Beweismittel verwendet werden durfte. Die Beschlagnahme sei rechtswidrig gewesen.

Update, 2. September, 14.47 Uhr: Angeklagter Hauptkommissar schweigt erneut

Einer der beiden Verteidiger des Angeklagten erklärte am Donnerstag, sein Mandant werde sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Der 53-Jährige sei "persönlich und beruflich tiefgreifend beeindruckt". Für den Hauptkommissar sei demnach an eine Wiederaufnahme seiner Tätigkeit nicht zu denken. Er befinde sich nach wie vor in psychologischer Behandlung. Was geschehen ist, tue ihm unendlich leid.

Zum Fall der beschlagnahmten Patientenakte erklärten auch die Richter im aktuellen Prozess, dass aus ihrer Sicht nach derzeitigem Stand weiterhin ein Verwertungsverbot des Beweisstücks bestehen dürfte.

Der hagere Angeklagte hatte auch im ersten Prozess geschwiegen. Seine Anwälte hatten damals auf Freispruch plädiert. Für den Berufungsprozess sind 19 weitere Verhandlungstage bis zum 20. Januar 2022 terminiert.

Titelfoto: Maurizio Gambarini/dpa

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