Suff-Fahrer rast auf Flucht vor Polizei Mutter und Kind fast tot: Prozess neu aufgerollt

Berlin - Knapp drei Jahre nach einem schweren Verkehrsunfall durch Raserei in Berlin-Kreuzberg wird der Prozess gegen einen 35-Jährigen am Freitag (9.15 Uhr) vor dem Landgericht neu aufgerollt.

Mit diesem BMW wurden die Frau und ihre Tochter angefahren und schwer verletzt.
Mit diesem BMW wurden die Frau und ihre Tochter angefahren und schwer verletzt.  © Polizei Berlin

Der Angeklagte, der im September 2017 auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle eine Mutter und ihr damals fünfjähriges Kind angefahren und lebensgefährlich verletzt hatte, war im ersten Prozess unter anderem wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. 

Auf Revision des Angeklagten hatte der Bundesgerichtshof (BGH) diese Entscheidung aufgehoben.

Die Richter im ersten Prozess waren zu dem Schluss gekommen, dass der aus Serbien stammende Angeklagte tödliche Folgen billigend in Kauf genommen habe, um zu entkommen und andere Straftaten zu verdecken. 

Er sei erheblich alkoholisiert und mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf eine für ihn rote Ampel zugerast und habe Mutter und Tochter erfasst. Der Verteidiger plädierte auf fahrlässige Körperverletzung.

Der Fall wird nun vor einer anderen Strafkammer neu verhandelt. 

Update, 13.20 Uhr: Der 35-Jährige schwieg am Freitag zu Beginn des neuen Prozesses. Der aus Serbien stammende Angeklagte soll am 21. September 2017 ohne Führerschein, alkoholisiert und mit stark überhöhter Geschwindigkeit gefahren sein. Gegen 8 Uhr habe er an der Oranienstraße Mutter und Tochter erfasst, die die Fahrbahn bei für Fußgänger grüner Ampel überqueren wollten, heißt es in der Anklage. "Sie wurden auf die Motorhaube und dann bis zu 15 Meter durch die Luft geschleudert."

Kurz vor dem Unfall sollen Polizisten den Angeklagten angesprochen haben. Es habe sich um eine Routinekontrolle wegen des Verdachts auf Alkohol am Steuer gehandelt, sagte ein Beamter im ersten Prozess. Der Angeklagte aber sei "mit Vollgas" davongerast. Kurz darauf sei es zum Unfall gekommen. Der Mann sei danach weiter geflohen, so die Anklage.

Der Verteidiger des vorbestraften Angeklagten hatte im ersten Prozess eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung gefordert. Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft in der rechtlichen Bewertung, ging aber über die geforderte Strafe von elfeinhalb Jahren hinaus.

Der Bundesgerichtshof entschied im Oktober 2019 unter anderem, dass ein im ersten Urteil angenommener bedingter Tötungsvorsatz, der zum Schuldspruch wegen versuchten Mordes führte, nicht ausreichend begründet sei. Feststellungen seien zum Teil lückenhaft, so der BGH. Der neue Prozess wird am 19. August fortgesetzt.

Titelfoto: Polizei Berlin

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