Hat Jens F. (56) sein eigenes Land verraten? Der Angeklagte schweigt zum Vorwurf!

Berlin - Ab Mittwochmorgen wird ein schwerwiegender Vorwurf im Gerichtssaal geklärt: Ist Jens F. (56) tatsächlich ein Verräter?

Hat ein 56-jähriger Deutscher wirklich geheime Daten an Russland verraten?
Hat ein 56-jähriger Deutscher wirklich geheime Daten an Russland verraten?  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Weil er dem russischen Geheimdienst Informationen über Liegenschaften des Bundestags weitergegeben haben soll, muss sich ein Deutscher ab Mittwoch (9 Uhr) vor dem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts verantworten.

Die Anklage gegen den 56-Jährigen lautet auf geheimdienstliche Agententätigkeit.

Er soll damals Mitarbeiter einer Firma gewesen sein, die mehrfach vom Deutschen Bundestag beauftragt worden war, elektronische Geräte zu überprüfen.

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Die Firma habe deshalb über Dateien mit den Grundrissen der Liegenschaften verfügt.

Spätestens Mitte 2017 habe sich der Angeklagte aus eigenem Antrieb entschlossen, die Daten an den russischen Militärgeheimdienst weiterzugeben.

Update, 15.26 Uhr: Der Angeklagte hüllt sich in Schweigen

Jens F. (56, r.) steht am ersten Prozesstag neben seinem Verteidiger Friedrich Humke und hält sich eine Zeitung vor das Gesicht, um nicht erkannt zu werden.
Jens F. (56, r.) steht am ersten Prozesstag neben seinem Verteidiger Friedrich Humke und hält sich eine Zeitung vor das Gesicht, um nicht erkannt zu werden.  © Jörg Carstensen/dpa

Der Angeklagte Jens F. hat sich am ersten Prozesstag in Schweigen gehüllt. Sein Verteidiger sagte am Rande der Verhandlung, es gebe keine Beweise, wer 2017 eine CD mit Grundrissdateien verschickt habe.

Der Verteidiger erklärte weiter, keines der Dokumente habe ein Geheimvermerk getragen. Nach seinem Gefühl "wurde in dem Verfahren etwas über das Ziel hinausgeschossen". Sein Mandant sei ein Offizier in der Nationalen Volksarmee der DDR gewesen, so der Verteidiger.

Es könnte sein, dass im Verfahren deshalb "Rückschlüsse" gezogen worden seien. In Bezug auf Medienberichte über eine angebliche Tätigkeit seines Mandanten als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR sagte der Anwalt, er kenne keine entsprechenden Akten.

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Der Senatsvorsitzende sagte, Gespräche der Prozessbeteiligten im Vorfeld der Verhandlung hätten nicht zu einer Verständigung geführt. Für das Gericht sei im Falle eines Geständnisses eine Strafe von maximal zwei Jahren Haft auf Bewährung vorstellbar gewesen. Der Prozess wird am 15. September fortgesetzt.

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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