Irre Wende im Mord-Prozess: Mann fast zehn Monate unschuldig für Killer gehalten

Berlin - Glücklich hat ein Angeklagter in einem Prozess am Berliner Landgericht um tödliche Schüsse vor rund 23 Jahren einen Freispruch entgegengenommen. Für das Urteil hatte ausgerechnet der Mann gesorgt, der als Hauptbelastungszeuge galt. Er hatte in seiner Aussage vor Gericht zugegeben, dass er der Täter sei.

Ein Berliner Bauunternehmer wurde vor 23 Jahren erschossen. Ausgerechnet der Hauptbelastungszeuge sorgte für einen Freispruch des Angeklagten. (Symbolbild)
Ein Berliner Bauunternehmer wurde vor 23 Jahren erschossen. Ausgerechnet der Hauptbelastungszeuge sorgte für einen Freispruch des Angeklagten. (Symbolbild)  © 123RF/udo72

Nach fast zehn Monaten Untersuchungshaft wurde der unschuldige Angeklagte am Freitag auf Kosten der Landeskasse freigesprochen. Der 59-Jährige sei für die erlittene Haft zu entschädigen, so das Gericht.

"Auch ich mit fast 30-jähriger Berufserfahrung habe einen solchen Verfahrensverlauf noch nicht erlebt", sagte der Vorsitzende Richter. Es tue der Strafkammer leid, dass der 59-Jährige fast zehn Monate seines Lebens verloren habe.

Die neue Aussage des 45-jährigen Mannes seien für den Angeklagten ein großes Glück. Aber ohnehin seien vom Gericht für die Befragung des 45-Jährigen zwei Psychiater bestellt worden, die den Mann begutachten sollten.

In dem Mordfall geht es um den Tod eines Berliner Bauunternehmers. Der 41-Jährige befand sich nach Renovierungsarbeiten im Badezimmer seines Büros in Berlin-Moabit, als er am 3. März 1998 erschossen wurde. Drei Kugeln trafen den Unternehmer in Rücken und Kopf.

Zeuge belastet erst Angeklagten und gesteht dann die Tat

Der 59-jährige Angeklagte und der vermeintliche Zeuge, die beide aus Moldawien stammen, waren laut Ermittlungen als Bauhelfer für das Opfer tätig. Der Täter soll mit einer Pistole bewaffnet im Büro erschienen sein und den Mann für einen Lohn von 1500 DM (knapp 770 Euro) erschossen haben. Ein anderer Bauunternehmer habe den Auftrag erteilt. Hintergrund seien finanzielle Streitigkeiten gewesen.

Jahrelang tappte die Polizei im Dunkeln. Die Ermittlungen liefen 2017 neu an, nachdem der 45-Jährige, der zuletzt in Großbritannien lebte, als Zeuge aussagte. Er soll bei der Berliner Polizei zu Protokoll gegeben haben, sein damaliger Kollege habe ihm gegenüber die Schüsse gestanden. Der 59-Jährige wurde schließlich in Italien festgenommen, wo er mit seiner Familie lebt.

"Ich werde versuchen, alles zu vergessen – wie einen schrecklichen Traum", sagte er nach dem dreimonatigen Prozess. Sein Ex-Kollege wurde am 14. April nach seinem Geständnis im Gerichtssaal festgenommen.

Titelfoto: 123RF/udo72

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