Kleinkind stirbt nach Badewannen-Unfall: Eltern verurteilt

Berlin - Nach dem Tod eines dreieinhalbjährigen Kindes müssen sich die Eltern am Mittwoch (9.30 Uhr) vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten verantworten,

Für den Prozess vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten ist bislang ein Verhandlungstag terminiert. (Archivbild)
Für den Prozess vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten ist bislang ein Verhandlungstag terminiert. (Archivbild)  © Taylan Gökalp/dpa

Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 44-jährigen Mutter und dem 47-jährigen Vater vor, im Juni 2020 ihr schwerbehindertes Kind in die Badewanne gesetzt und mindestens 15 Minuten lang ohne Aufsicht gelassen zu haben.

Das Kind sei schließlich umgekippt und mit dem Kopf unter Wasser geraten.

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Es sei zwölf Tage später an den Folgen des Unfalls verstorben.

Für den Prozess ist bislang ein Verhandlungstag terminiert.

Update, 15.02 Uhr: Eltern verurteilt

Die Eltern sind zu jeweils sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach die 44-jährige Mutter und den 47-jährigen Vater am Mittwoch der fahrlässigen Tötung schuldig. Die Angeklagten hätten das dreieinhalbjährige schwerbehinderte Kind für mindestens 15 Minuten beim Baden unbeaufsichtigt gelassen, begründete die Richterin.

Der Junge, der nicht selbstständig sitzen konnte, war bei dem Geschehen im Juni 2020 in Berlin-Buch mit dem Kopf unter Wasser geraten. Er verstarb laut Anklage zwölf Tage später an den Folgen des erlittenen Sauerstoffmangels.

Die Eltern hatten zugegeben, dass ihr Sohn für einige Minuten ohne Aufsicht im Badezimmer war. Die achtfache Mutter erklärt, es sei ein Ritual gewesen, den Jungen bei leicht fließendem Wasser in die Badewanne zu setzen. Er habe dann gekniet. Üblicherweise sei der Stöpsel gezogen worden, damit das Wasser abfließen kann. Am Tag des Unfalls habe der Vater das Baden des Sohnes übernommen.

"Ich weiß nicht, was schiefgelaufen ist", so die Mutter. Sie habe allerdings gesehen, dass der Vater einen Anruf bekommen hatte und auf den Balkon gegangen war. Sie selbst habe eine Freundin, die zu Besuch war, zur Tür bringen wollen. Zwischendurch habe sie mehrmals nach dem Kind im Badezimmer geschaut. Der Vater erklärte, er vermisse seinen Sohn sehr und mache sich große Vorwürfe. Er sei davon ausgegangen, dass sich seine damalige Partnerin während seines Telefonats um den Jungen kümmern würde.

"Man lässt keine kleinen Kinder allein in der Badewanne", so die Richterin. Eine fahrlässige Sorgfaltspflichtverletzung liege vor. Das Gericht ging davon aus, dass der Stöpsel nicht gezogen war und die Wanne deshalb vollgelaufen sei.

Das Urteil entsprach im Wesentlichen dem Antrag des Staatsanwalts, der auf jeweils acht Monate Haft auf Bewährung plädiert hatte. Die Verteidiger beantragten, von einer Strafe im Prozess abzusehen. Die Eltern seien bereits durch den Tod des Kindes gestraft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: Taylan Gökalp/dpa

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