Bleibt es beim Mord-Urteil? Kudamm-Raser beschäftigt erneut die Justiz

Berlin - Zwei als Mörder verurteilten Autorasern aus Berlin droht lebenslange Haft - wenn der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil nicht noch einmal aufhebt.

Fahrzeugteile liegen nach einem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße.
Fahrzeugteile liegen nach einem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Am Donnerstag (9.30 Uhr) wird in Karlsruhe verhandelt. Die Männer hatten sich nachts auf dem Kurfürstendamm ein illegales Autorennen geliefert. 

Als sie bei Rot über eine Kreuzung rasten, rammte einer von ihnen mit 160 bis 170 Stundenkilometern ein aus einer Seitenstraße kommendes Auto. Dessen Fahrer starb.

Das Berliner Landgericht hatte die Männer 2017 in einem aufsehenerregenden Urteil wegen Mordes verurteilt - so etwas hatte es bis dahin noch nie gegeben. 

Der BGH hatte dieses erste Urteil als fehlerhaft aufgehoben. Nach einem neuen Prozess sprach eine andere Strafkammer des Landgerichts die Männer im März 2019 erneut als Mörder schuldig

Dagegen haben sie Revision eingelegt. Das Urteil wird erst in den nächsten Wochen verkündet. (Az. 4 StR 482/19)

Update, 15.55 Uhr

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat Bedenken gegen die Verurteilung zweier Berliner Autoraser wegen Mordes. In der gut zweistündigen Verhandlung am Donnerstag hinterfragten die obersten Strafrichter in Karlsruhe gleich mehrere Punkte sehr kritisch. Ihr Urteil wollen sie am 18. Juni verkünden. (Az. 4 StR 482/19)

Bedenken gibt es vor allem bei dem zweiten Angeklagten, der nicht selbst den Jeep gerammt hatte. Das Landgericht hatte ihn zweimal als Mittäter verurteilt. In seinem Fall beantragte nicht nur der Verteidiger, sondern auch die Bundesanwaltschaft, das Mord-Urteil aufzuheben. Das gemeinsame Rennen reiche nicht aus. Und es sei ungeklärt, ob der Unfall überhaupt hätte abgewendet werden können, wenn er auf den letzten Metern vom Gas gegangen wäre.

Aber auch zur Verurteilung des Hauptangeklagten stellte die Vorsitzende Richterin Beate Sost-Scheible viele kritische Fragen. Mord setzt Vorsatz voraus - also dass dem Täter zumindest gleichgültig ist, dass er den Tod eines Anderen in Kauf nimmt. Hier ist fraglich, ob dem Raser wirklich so klar vor Augen stand, wie sich ein möglicher Unfall abspielen würde und dass dieses Szenario für ihn selbst dank Airbag vergleichsweise glimpflich ausgehen würde.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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