Linke-Politiker Kocak nach rechtsextremem Anschlag in psychologischer Betreuung

Berlin - Der Linke-Politiker Ferat Kocak (43) leidet nach eigenen Angaben bis heute unter Angstzuständen und Schlafstörungen nach einem Brandanschlag auf sein Auto im Jahr 2018.

Den beiden Hauptangeklagten wird unter anderem vorgeworfen, im Februar 2018 das Auto von Linke-Politiker Ferat Kocak angezündet zu haben. (Archivfoto)
Den beiden Hauptangeklagten wird unter anderem vorgeworfen, im Februar 2018 das Auto von Linke-Politiker Ferat Kocak angezündet zu haben. (Archivfoto)  © Ferat Kocak/Die Linke Berlin/dpa

"Der Anschlag ist immer präsent", sagte Kocak am Montag als Zeuge im Prozess nach einer Serie rechtsextremer Straftaten in Berlin-Neukölln. Der 43-Jährige ist auch Nebenkläger in dem Verfahren vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Den 36 und 39 Jahre alten Hauptverdächtigen wirft die Anklage unter anderem Bedrohung, Brandstiftung beziehungsweise Beihilfe dazu sowie Sachbeschädigung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor.

In der Nacht des 1. Februar 2018 sollen die beiden Männer den Wagen des Linke-Politikers angezündet haben, der sich seit langem gegen Rechtsextremismus engagiert und seit 2021 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses ist.

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Das Auto stand in einem Carport direkt neben dem Haus der Familie, zu dem Zeitpunkt schliefen auch Kocaks Eltern dort. Nach seinen Angaben hatten die Flammen bereits eine Hauswand angegriffen.

Ferat Kocak leidet bis heute unter dem Erlebten: "Meine Eltern hätten sterben können"

Ferat Kocak (43, Linke) hat am Montag im Prozess zu einer rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin-Neukölln ausgesagt, in dem er auch als Nebenkläger auftritt.
Ferat Kocak (43, Linke) hat am Montag im Prozess zu einer rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin-Neukölln ausgesagt, in dem er auch als Nebenkläger auftritt.  © Christian Ender/dpa

Er habe diese mit einem Feuerlöscher löschen können, schilderte er. Auch wenn der Brand rechtzeitig gelöscht worden sei, verfolge ihn das Erlebte bis heute. "Meine Eltern hätten sterben können, weil ich mich politisch engagiert hatte", sagte Kocak am siebten Prozesstag vor Gericht. Er sei in psychologischer Betreuung.

Ähnlich hatte sich der 43-Jährige bereits Mitte September vor dem Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zu den rechtsextremen Brandanschlägen und Drohungen in Neukölln geäußert. Dieser soll Ermittlungsfehler und mögliches Behördenversagen aufklären.

Für Diskussion sorgt, dass Kocak stellvertretendes Mitglied im Ausschuss ist. Am Rande des ersten Prozesstages hatte Kocak betont, er sei sich der Doppelrolle bewusst. "Ich werde die Dinge unterscheiden, hier bin ich Nebenklage, eine Position in zweiter Reihe."

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Seine Anwältin beantragte unterdessen Aufzeichnungen und Unterlagen beizuziehen zu Überwachungen des Berliner Verfassungsschutzes zu den Bedrohungen und Anschlägen in Neukölln.

"Wir wissen bis heute nicht, von wann bis wann wer observiert worden ist und welche Erkenntnisse damals gewonnen wurden", kritisierte Franziska Nedelmann. Ohne diese Angaben seien die Gerichtsakten unvollständig. Über den Antrag hat das Gericht noch nicht entschieden.

Erstmeldung, 24. Oktober, 5.45 Uhr, aktualisiert um 15.24 Uhr.

Titelfoto: Ferat Kocak/Die Linke Berlin/dpa, Christian Ender/dpa (Bildmontage)

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