Mit Voodoo-Zauber eingeschüchtert: Prozess wegen Zwangsprostitution einer Frau aus Nigeria

Berlin - In einem Prozess wegen Zwangsprostitution einer jungen Frau aus Nigeria müssen sich in Berlin drei Frauen und ein Mann verantworten.

In einem Prozess wegen Zwangsprostitution einer jungen Frau aus Nigeria müssen sich in Berlin drei Frauen und ein Mann vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. (Archivbild)
In einem Prozess wegen Zwangsprostitution einer jungen Frau aus Nigeria müssen sich in Berlin drei Frauen und ein Mann vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. (Archivbild)  © Taylan Gökalp/dpa

Als Hauptangeklagte gilt eine 44-Jährige. Sie soll die Einschleusung der Betroffenen nach Deutschland in Auftrag gegeben und sie dann zur Prostitution gezwungen haben.

Vor der Abreise aus ihrer afrikanischen Heimat sei die junge Frau in einer spirituellen Zeremonie eingeschüchtert worden.

Die Verteidiger der 44-Jährigen erklärten am Montag zu Prozessbeginn am Amtsgericht Tiergarten, die Vorwürfe seien "frei erfunden".

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Laut Staatsanwaltschaft soll die 44-Jährige 2007 ihre in Nigeria lebende Mutter beauftragt haben, eine junge Frau zu überreden, sich nach Deutschland einschleusen zu lassen.

"Die Geschädigte wurde in dem Glauben gelassen, sie würde eine normale Arbeit aufnehmen können und sich nicht prostituieren müssen", so die Anklage. Den drei Mitangeklagten werden Beihilfehandlungen zur Last gelegt.

Die Nigerianerin habe laut Ermittlungen schwören müssen, dass sie 50.000 Euro für die Reise bezahlen und nichts darüber erzählen werde, wie sie nach Deutschland gekommen sei. Mit einem gefälschten Reisepass soll sie geschleust worden sein. Nach ihrer Ankunft habe die 44-Jährige der Frau offenbart, dass sie als Prostituierte würde arbeiten müssen. Ihren täglichen Verdienst habe laut Anklage die 44-Jährige verlangt. Bis September 2008 seien es insgesamt zwischen 25.000 und 27.000 Euro gewesen.

Die junge Nigerianerin war nach einer Festnahme wegen illegalen Aufenthalts zunächst in den Abschiebegewahrsam gekommen. Sie habe dann einen Asylantrag gestellt, hieß es im Prozess. Im Oktober 2010 habe sie Anzeige wegen Zwangsprostitution erstattet. Der Prozess wegen Zuhälterei, Menschenhandel, Missbrauch von Ausweispapieren und Verstoß gegen das Ausländergesetz wird am 9. Juni fortgesetzt.

Titelfoto: Taylan Gökalp/dpa

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