20-Jähriger schweigt im Prozess: Hat er sich als "Kommissar" ausgegeben?

Berlin - Weil er an einer Betrugsserie mit falschen Polizisten am Telefon beteiligt gewesen sein soll, muss sich ein 20-Jähriger vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Das Berliner Landgericht soll am Dienstag über einen mutmaßlichen Betrüger entschieden werden. (Symbolbild)
Das Berliner Landgericht soll am Dienstag über einen mutmaßlichen Betrüger entschieden werden. (Symbolbild)  © Fabian Sommer/dpa

Er soll als Mitglied einer Bande agiert haben, die es mit dem sogenannten Falsche-Polizisten-Trick auf Ersparnisse älterer Menschen abgesehen hatte.

Der Angeklagte soll sich in 20 Fällen am Telefon als ein "Kommissar" ausgegeben und versucht haben, Senioren zur Herausgabe vor Wertsachen zu bewegen. Der Verteidiger erklärte zu Prozessbeginn am Dienstag, sein Mandant werde zunächst schweigen.

Bandenmitglieder hätten von einem in der Türkei gelegenen Call-Center aus ältere Menschen in Deutschland angerufen und sich dabei als Polizeibeamte oder Staatsanwälte ausgegeben, heißt es in der Anklage.

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"Dabei warnten sie die angerufenen Personen vor geplanten Angriffen auf ihr Vermögen durch rumänische Räuberbanden oder durch korrupte Bankmitarbeiter."

Senioren seien aufgefordert worden, ihr Geld und andere Wertgegenstände an vorgegebenen Orten angeblichen Polizisten zu übergeben.

Zwei Senioren wären beinahe um mehrere zehntausend Euro gebracht worden

Als Teil einer Bande soll der 20-jährige Angeklagte versucht haben, ältere Menschen übers Ohr zu hauen. (Symbolbild)
Als Teil einer Bande soll der 20-jährige Angeklagte versucht haben, ältere Menschen übers Ohr zu hauen. (Symbolbild)  © gajus/123RF

Bei den Taten zwischen Mitte September und Ende Oktober 2020 wurde laut Anklage ein Verfahren eingesetzt, das es den Tätern ermöglichte, auf dem Display des angerufenen Telefons die Polizeirufnummer 110 anzeigen zu lassen. Den zumeist betagten Geschädigten sei durch häufige und langandauernde Telefonate erheblich zugesetzt worden.

Der 20-Jährige sei allerdings in den 20 Telefonaten erfolglos geblieben. Ein 78-Jähriger habe "trotz des penetranten Einwirkens der Täter" kein Geld von seinem Konto abgehoben, so die Anklage.

Im Fall einer 81-jährigen Frau sei durch Eingreifen der Polizei verhindert worden, dass sie 36.000 Euro hinterlegt. In einem Fall habe eine Bankangestellte die Polizei eingeschaltet, als ein Senior 20.000 Euro von seinem Konto abheben wollte.

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Der 20-Jährige aus Berlin befindet sich seit rund drei Monaten in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten gewerbs- und bandenmäßigen Betrug sowie Amtsanmaßung.

Der Prozess wird am 28. September mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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