Vier Tote nach Krampfanfall am Steuer: Arzt spricht über Hirn-OP des SUV-Fahrers

Berlin - Im Prozess um den SUV-Unfall mit vier Toten in Berlin hat der behandelnde Arzt des angeklagten Autofahrers vor Gericht über die vorangegangene Gehirnoperation bei seinem Patienten berichtet.

Bei dem schweren Verkehrsunfall am 6. September 2019 sind vier Menschen getötet worden. (Archivbild)
Bei dem schweren Verkehrsunfall am 6. September 2019 sind vier Menschen getötet worden. (Archivbild)  © Britta Pedersen/dpa

Ein Neurochirurg sagte am Montag als Zeuge vor dem Berliner Landgericht, nach einer Hirnoperation habe er dem Patienten empfohlen, für mindestens einen Monat nicht Auto zu fahren. Dieser Hinweis sei mündlich erfolgt, so der Mediziner aus der Schweiz im Zeugenstand.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätte der 44-jährige Unternehmer wegen einer strukturellen Epilepsie und der Gehirnoperation, die knapp einen Monat zurücklag, nicht am Steuer des schweren Wagens sitzen dürfen. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs.

Am 6. September 2019 war das Auto über die Gegenfahrbahn hinweg von der Invalidenstraße in der Innenstadt abgekommen.

Acht Jahre nach Mord im Wettbüro: Spektakulärer Rocker-Prozess geht in die nächste Runde
Gerichtsprozesse Berlin Acht Jahre nach Mord im Wettbüro: Spektakulärer Rocker-Prozess geht in die nächste Runde

Der Fahrer soll wegen eines epileptischen Anfalls das Gaspedal durchgedrückt haben. Der Wagen überschlug sich mehrfach und tötete vier Menschen auf dem Gehweg. Unter den Opfern war auch ein dreijähriger Junge.

Der Neurochirurg sagte weiter, Anfang August 2019 sei die Operation erfolgt. Nach dem erfolgreichen Eingriff, bei dem ein kleiner Tumor entfernt wurde, sei die Stimmung optimistisch gewesen.

Angeklagter drückte sein Bedauern zu Prozessbeginn aus

Der Angeklagte (44, M.) war sich nach seiner Hirn-OP sicher, dass er genesen sei.
Der Angeklagte (44, M.) war sich nach seiner Hirn-OP sicher, dass er genesen sei.  © Paul Zinken/dpa

Bereits nach drei Tagen habe der 44-Jährige die Klinik verlassen können. Er habe dem Patienten allerdings "ganz sicher nicht gesagt, dass das Kapitel Epilepsie abgeschlossen ist mit der Operation".

Er habe dem Angeklagten zudem empfohlen, nach der Operation in der Schweiz eine Behandlung bei einem Neurologen in Berlin fortzusetzen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Der 44-Jährige hatte zu Prozessbeginn sein Bedauern ausgedrückt. Für ihn habe es jedoch keine Anhaltspunkte gegeben, dass er nochmals einen Anfall erleiden könnte.

Polizisten bei Corona-Demo angegriffen: Bewährungsstrafe für 50-jährigen Sachsen
Gerichtsprozesse Berlin Polizisten bei Corona-Demo angegriffen: Bewährungsstrafe für 50-jährigen Sachsen

Er sei sicher gewesen, dass mit einer Hirn-OP die Ursache für seinen ersten und bis zum tragischen Unfall einzigen epileptischen Anfall, den er im Mai 2019 erlitten habe, restlos beseitigt worden sei.

Der Prozess wird am 1. Dezember mit der Befragung eines weiteren Mediziners fortgesetzt.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Berlin: