Nach Fall von Lynchjustiz: Anklage gegen "Punkt 12"-Reporter abgelehnt

Bremen - Nach einem Fall von Lynchjustiz im Zusammenhang mit einem Beitrag der RTL-Sendung "Punkt 12" wurde die Eröffnung eines entsprechenden Hauptverfahrens gegen zwei Reporter nun vom Gericht abgelehnt.

Ein Reporter hält eine Kamera in der Hand.
Ein Reporter hält eine Kamera in der Hand.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Dies teilte der Sender am Donnerstag mit. Die Reporter wurden wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung angeklagt.

Bereits im Sommer 2018 hatte das RTL-Team einen kurzen Beitrag über Pädophilie gedreht.

Mehrere Unbekannte suchten daraufhin einen 50-jährigen Mann in Bremen-Lesum auf, den sie in der Sendung erkannt haben wollten. "Sie meinten, im Beitrag die Anschrift des dargestellten Mannes identifiziert zu haben und suchten diese auf", so ein Sprecher der Polizei später.

Das Opfer wurde von den Männern in seiner Wohnung überfallen, zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt (TAG24 berichtete). Die Polizei ermittelte anschließend wegen eines versuchten Tötungsdeliktes gegen die sieben bis zehn Angreifer.

Wenig später meldete sich zumindest ein Mann bei der Polizei und räumte ein, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Er wurde inzwischen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Opfer war nicht im Beitrag zu sehen

Eine Anklage gegen einen Reporter und eine freie Mitarbeiterin des Senders RTL, die für den Beitrag verantwortlich waren, wurde dagegen nun nicht mehr zur Hauptverhandlung zugelassen. Das Gericht lehnte diese am 27. April endgültig ab.

In der Begründung des Amtsgerichts Bremen-Blumenthal heißt es, dass die Verantwortung der Tat nicht auf die Journalisten verschoben werden dürfe.

Denn es sei mehr als fraglich, ob diese "überhaupt eine strafrechtlich relevante Sorgfaltspflicht begangenen haben". Schließlich habe sich das "brutale Vorgehen des Lynchmobs" letztlich gegen eine Person gerichtet, die niemals in dem Fernsehbeitrag gezeigt worden war. Die Gewalttat basierte auf einer falschen Annahme der Täter.

Der Sender RTL hatte bereits von Anfang an immer wieder öffentlich darauf hingewiesen, dass das spätere Opfer zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung gewesen sei.

Titelfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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