Prozess um tödlichen Ehestreit: Hat sich die Frau selbst in den Bauch gestochen?

Chemnitz/Freiberg - Gut ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod einer Frau in Freiberg hat der angeklagte Ehemann vor Gericht seine Unschuld beteuert.

Abdull M. (39) soll seine Ehefrau getötet haben. (Archivbild)
Abdull M. (39) soll seine Ehefrau getötet haben. (Archivbild)  © Haertelpress

Er habe zu keiner Zeit auf seine Frau eingestochen und sei über ihren Tod "unendlich traurig", erklärte der 39 Jahre alte Abdull M. am Dienstag im Prozess am Landgericht Chemnitz.

Vielmehr habe sich die 33-Jährige im Laufe eines Streits im Wohnzimmer ein Messer geschnappt und sich damit "wie von Sinnen" im Beisein der Kinder in den Bauch gestochen. "Ich bin sofort aufgestanden und habe versucht ihr das Messer wegzunehmen." Dabei sei die Klinge abgebrochen. Später habe er einen Krankenwagen gerufen.

Die beiden Eheleute stammen aus Afghanistan. Die Anklage wirft dem fünffachen Familienvater Totschlag vor.

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Demnach soll er am Abend des 19. Mai mindestens sieben Mal auf seine Ehefrau eingestochen haben - mit einem Küchenmesser mit mehr als 12 Zentimeter langer Klinge (TAG24 berichtete).

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nahm er billigend in Kauf, seine Frau tödlich zu verletzen. Sie starb an ihren schweren Verletzungen.

Prozess soll noch bis Mitte Dezember gehen

In diesem Wohnblock in Freiberg ereignete sich die schreckliche Tat. (Archivbild)
In diesem Wohnblock in Freiberg ereignete sich die schreckliche Tat. (Archivbild)  © Eckardt Mildner

Seine Frau habe psychische Probleme gehabt und sich in Deutschland einsam gefühlt, erläuterte der Angeklagte. Deswegen habe sie einer Bekannten 14.000 Euro gegeben, um mit Hilfe eines Schleusers Verwandte nachzuholen. "Ich war sehr ärgerlich, weil das Geld weg war."

Das Geld hätten sie gespart, um ein Geschäft zu eröffnen. Daher sei es an jenem Tag im Mai zu dem Streit gekommen.

Staatsanwalt Stephan Butzkies äußerte sich skeptisch über die Aussagen des Mannes. Warum er seiner Frau das Geld nicht zuvor abgenommen habe, wenn er von ihren Plänen wusste, fragte er. "Das macht so keinen Sinn."

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Verwundert zeigte er sich auch darüber, dass der Angeklagte erst jetzt im Prozess von dem Geld berichtete - in vorherigen Vernehmungen sei dazu kein einziges Wort gefallen, betonte Butzkies. Es habe ihn niemand danach gefragt, gab der 39-Jährige zur Antwort.

Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage bis Mitte Dezember geplant.

Titelfoto: Harry Härtel/Eckardt Mildner

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