Mordprozess gegen "Mangal"-Wirt: Anwohner erinnern sich an dramatische Brand-Nacht in Chemnitz

Chemnitz - Wollte sich Ali T. (49) mit einem fingierten Brandanschlag von Schulden befreien - oder war alles doch ganz anders? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Landgericht Chemnitz und hat dazu am Dienstag Zeugen gehört, die über dem kurdischen Restaurant "Mangal" wohnten. Dem Wirt wird seitens der Staatsanwaltschaft 15-facher versuchter Mord vorgeworfen.

Ali T. (49) bestreitet die Vorwürfe der Brandstiftung und des versuchten Mordes.
Ali T. (49) bestreitet die Vorwürfe der Brandstiftung und des versuchten Mordes.  © Haertelpress

"Es hat gerüttelt und geschüttelt an der Wand", erinnert sich eine Rentnerin (70). Sie habe sich ihre Tasche und ihren Mann geschnappt und sei vom zweiten Stock ganz schnell nach draußen gelaufen.

"Ich war im Tiefschlaf. Erst als die Feuerwehr gegen meine Tür geschlagen hat, habe ich was mitbekommen", so Daniela F. (38). "Wär ich nicht aufgewacht, wär ich vielleicht erstickt", sagte eine andere Zeugin. Alle berichteten von einer dramatischen Nacht am 18. Oktober 2018.

"Mangal"-Wirt Ali T. hörte sich die Aussagen der Opfer, die er laut Anklage durch einen Brandanschlag hätte töten können, genau an. "Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe", sagte sein Anwalt Andrej Klein.

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Laut Staatsanwaltschaft hatte Ali T. wegen hoher Schulden Versicherungsbetrug begangen und rund 300.000 Euro kassiert. Komplizen sollen ihm geholfen haben, sein Restaurant anzuzünden, um es später wie einen Brandanschlag Rechtsextremer aussehen zu lassen.

In den frühen Morgenstunden des 18. Oktober 2018 brannte das "Mangal" in der Straße der Nationen. Spuren deuten auf einen fingierten Brandanschlag hin.
In den frühen Morgenstunden des 18. Oktober 2018 brannte das "Mangal" in der Straße der Nationen. Spuren deuten auf einen fingierten Brandanschlag hin.  © imago images/Haertelpress

"Kronzeuge" soll demnächst vor Gericht aussagen

Hinweise auf mögliche Täter konnten die Zeugen nicht geben. Da alle schliefen, bevor die Detonation zu hören war, hatte niemand das Geschehen am Lokal oder auf der Straße beobachtet.

Das Hauptaugenmerk des Gerichts liegt daher auf einem "Kronzeugen", der Ali T. bei polizeilichen Vernehmungen belastet hatte. Er wird zu einem späteren Zeitpunkt gehört.

Mittlerweile reichen die angesetzten Verhandlungstage bis in den September.

Titelfoto: haertelpress, imago images/haertelpress

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