Prozess um Millionenbetrug mit Platin-Handel startet in Chemnitz

Chemnitz - Am Landgericht Chemnitz beginnt am Donnerstag (9.30 Uhr) ein Prozess um Millionenbetrug beim Handel mit Platin-Münzen.

Am Landgericht Chemnitz beginnt am Donnerstag ein Prozess um Millionenbetrug beim Handel mit Platin-Münzen.
Am Landgericht Chemnitz beginnt am Donnerstag ein Prozess um Millionenbetrug beim Handel mit Platin-Münzen.  © Uwe Meinhold

Angeklagt ist ein Slowake, einer der Hauptakteure einer sechsköpfigen Bande, der beim Handel mit dem Edelmetall Umsatzsteuern in Höhe von fast 16 Millionen Euro hinterzogen haben soll.

Der 31-Jährige sitzt laut Gericht in Untersuchungshaft.

Nach Ansicht der Ermittler war der Angeklagte in ein europaweit agierendes Betrugssystem eingebunden.

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Dabei wurden Münzen nach Deutschland geliefert und veräußert, ohne die Steuern abzuführen.

Die wahre Herkunft der Münzen soll mit Hilfe fingierter Rechnungen verschleiert worden sein.

Update, 11.34 Uhr: Angeklagter schweigt zu Vorwürfen

Der Angeklagte hat sich zu Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen geäußert. Laut Anklage war er in ein europaweit agierendes Umsatzsteuerbetrugssystem verwickelt. Dazu betrieb er selbst zwei Firmen im Landkreis Zwickau und Niedersachsen. Die Anklage listet Verkäufe von weit mehr als 110.000 Platin-Münzen und -Barren auf, die er von 2018 bis 2020 an offizielle Münzhandelshäuser in Deutschland zu Millionenbeträgen verkauft haben soll. Die Umsatzsteuer von insgesamt rund 16 Millionen Euro soll er jedoch einbehalten haben.

Den Ermittlern zufolge stammte das Edelmetall aus Tschechien und der Slowakei und wurde mit privaten Kurierfahrten nach Deutschland gebracht. Um die tatsächliche Herkunft zu verschleiern, nutzte die Bande der Anklage zufolge mehrere Firmen in Deutschland, die allerdings gar nicht in der Lage gewesen seien, solche Lieferungen tatsächlich anzunehmen und zu lagern. Vielmehr sei so über eine "fingierte Rechnungskette" vorgetäuscht worden, dass das Platin von in Deutschland ansässigen Firmen stamme. Die Erträge aus den Geschäften sollen auf Auslandskonten der Gruppe geflossen und unter den Beteiligten aufgeteilt worden sein.

Die Anklage lautet auf 7 Fälle der Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall. Der 31-Jährige ist verheiratet, hat nach eigenen Angaben keinen Beruf erlernt und war im Mai 2020 in Prag festgenommen worden. Laut Staatsanwaltschaft ist es der erste Prozess gegen eines der Bandenmitglieder.

Angeklagt ist ein 31-Jähriger, einer der Hauptakteure einer sechsköpfigen Bande.
Angeklagt ist ein 31-Jähriger, einer der Hauptakteure einer sechsköpfigen Bande.  © Harry Härtel

Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage bis Ende Juni geplant.

Titelfoto: Harry Härtel

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