Obwohl er verurteilt wurde: Gericht lässt Mafia-Killer laufen!

Chemnitz - Im Fall des kürzlich wegen Totschlags verurteilten Quoc Hung N. (53) könnte es noch eine überraschende Wendung geben. Eigentlich muss der Vietnamese zwölf Jahre Haft absitzen. Aber die Verjährungsfrist macht dem Landgericht Chemnitz einen Strich durch die Rechnung.

Der wegen Totschlags verurteilte Quoc Hung N. (53) könnte von der Verjährungsfrist profitieren.
Der wegen Totschlags verurteilte Quoc Hung N. (53) könnte von der Verjährungsfrist profitieren.  © Harry Härtel / Härtelpress

Kaum zu glauben, aber wahr: Einen Tag nach dem Urteilsspruch vom 12. August wurde Quoc Hung N. (53) aus der Untersuchungshaft entlassen! Seitdem ist er ein freier Mann.

 "Der Haftbefehl wurde wegen Verjährung aufgehoben", sagte Ingrid Burghart (54), Sprecherin der Chemnitzer Staatsanwaltschaft. 

Und das geht so: N. war zwar wegen zweifachen Mordes angeklagt, wurde aber "nur" wegen Totschlags verurteilt. 

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Und eben diese Umwandlung des Schuldspruchs spielt die entscheidende Rolle, denn: Mord verjährt nie, Totschlag nach 20 Jahren! Die Tat liegt gut 25 Jahre zurück - ereignete sich am 30. Juli 1995.

"Wir haben Haftbeschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden eingelegt", so Burghart. Dort wird nun unter anderem die mögliche Verjährung geprüft. 

Nach Aussagen einer OLG-Sprecherin sei die Beschwerde noch nicht eingegangen, weswegen man sich noch nicht äußern könne. 

Staatsanwalt Stephan Butzkies hat Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt und fordert eine Verurteilung wegen Doppelmordes.
Staatsanwalt Stephan Butzkies hat Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt und fordert eine Verurteilung wegen Doppelmordes.  © Matthias Rietschel/dpa

Gleichzeitig reichte Staatsanwalt Stephan Butzkies Revision beim Bundesgerichtshof ein: Er fordert weiterhin eine Verurteilung wegen Mordes. Hat die Revision Erfolg, drohen N., der zwei Landsmänner in Chemnitz mit einem Kabel erdrosselt haben soll, lebenslange Haft.

Titelfoto: Harry Härtel / Härtelpress

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