Zu Beginn waren es noch fünf Angeklagte: Autoklau-Gang löst sich vor Gericht in Luft auf

Dresden - Da wird jeder Zauberkünstler grün vor Neid. Im Landgericht lösten sich jetzt sieben Angeklagte in Luft auf. Außer jede Menge Spesen nichts gewesen. Wäre es nicht so ärgerlich, würde diese Nummer für Gelächter sorgen.

Zu Beginn war der Gerichtssaal noch voll mit Angeklagten.
Zu Beginn war der Gerichtssaal noch voll mit Angeklagten.  © Holm Helis

Im April 2018 hoben Ermittler eine mutmaßliche Autoschieberbande aus Polen aus. Seit Mai 2019 verhandelt das Landgericht gegen die sieben Männer (25 bis 36 Jahre), die über 30 Autos im Wert von 1,7 Millionen Euro geklaut haben sollen.

Schon beim Auftakt waren es nur noch fünf Angeklagte. Grzegorz C., Wojciech W., Tomasz B. und Dawid K. kamen aus der U-Haft zum Prozess. Der Mitangeklagte Artur S. war auf freiem Fuß, kam freiwillig aus Polen ins Gericht. 

Aber: Lukasz M. saß in anderer Sache im Nachbarland, wurde nicht ausgeliefert. Und Oskar W. war einfach untergetaucht.

Dann wurde zäh verhandelt. Im Frühjahr 2019 kam dann schon Dawid K. aus der U-Haft. Doch dann kam Corona. Dawid und Artur, die bis dahin nach jedem Prozesstag heim nach Polen fuhren, hatten plötzlich ein Quarantäne-Problem. 

Folge: Ihre Verfahren wurden abgetrennt. Da waren es nur noch drei.

Prozess muss nach allem völlig neu verhandelt werden

Grzegorz C. (36) soll Chef der Bande gewesen sein, die Autos für 1,7 Millionen Euro geklaut hat. Jetzt platzte der Prozess.
Grzegorz C. (36) soll Chef der Bande gewesen sein, die Autos für 1,7 Millionen Euro geklaut hat. Jetzt platzte der Prozess.  © Holm Helis

Im Sommer wurde Tomasz B. wegen überlanger Verfahrensdauer aus der U-Haft entlassen. Denn inzwischen fiel eine Schöffin wegen schwerer Krankheit aus, was den Prozess weiter verzögerte. 

Und weil die Laienrichterin auf absehbare Zeit nicht verhandlungsfähig ist, wurden nun am Freitag auch die Hauptangeklagten Grzegorz und Wojciech aus der Haft entlassen und fuhren nach Polen.

Der Prozess mit 15 Juristen, in dessen fast 70 Verhandlungstagen gut zwei Dutzend Zeugen gehört wurden, ist geplatzt. Er muss völlig neu verhandelt werden. 

Wann, steht in den Sternen. Denn nun ist der Fall ja keine Haftsache mehr; hat also bei der ohnehin überlasteten Kammer keinen Vorrang mehr. 

Titelfoto: Holm Helis

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