Er wollte Zeckenbiss-Schmerzen mit Cannabis heilen, nun muss er vor Gericht

Bautzen- Um seine unerträglichen Schmerzen loszuwerden, griff Frank C. (58) zu Cannabis. Nun fand sich der Putzkauer vorm Amtsrichter in Bautzen wieder. Angeklagt wegen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln.
Frank C. (58) kam mit Krücken in den Gerichtssaal. Die Folgen eines Zeckenstiches beeinträchtigen seine Gesundheit massiv.
Frank C. (58) kam mit Krücken in den Gerichtssaal. Die Folgen eines Zeckenstiches beeinträchtigen seine Gesundheit massiv.  © kmk

Im Sommer 2018 konfiszierte die Polizei in Franks Garten 15 Hanfpflanzen: "Ich leide seit Jahren unter Borreliose", so der ehemalige Fertigungsmittelbauer, bei dem ein Zeckenstich zu spät erkannt wurde. 

Die Folgen: "Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen", so der Angeklagte, der schon viele Ärzte aufsuchte, diverse Therapien versuchte, seinen Job aufgeben musste.

Frank C. hoffte, dass cannabishaltige Medikamente, die seit 2017 erlaubt sind, helfen könnten. "Doch die Kasse verweigert die Kostenübernahme", berichtete der Schmerzpatient dem Richter. Zwar kämpft er zivilrechtlich gegen diesen Bescheid der Krankenkasse. Aber das Verfahren zieht sich, die Schmerzen bleiben.

Also baute Frank C. aus "rechtfertigendem Notstand", wie es seine Verteidigerin nennt, selbst Hanfpflanzen an. Aus deren Extrakt stellte er Tropfen her, die er einnahm, um die Schmerzen zu lindern.

Der Richter gestand dem Angeklagten eine besondere Lage zu, wertete die Tat auch als "minderschweren Fall", sagte aber: "Der illegale Anbau ist eben verboten." Frank C. bekam zwölf Monate Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er kündigte bereits an, das Urteil anzufechten.

Übrigens: Aufgeflogen war die Plantage wegen einer Anzeige aus der Verwandtschaft von Frank C. Demnach hatte sich die Familie in einem Erbschaftsstreit überworfen ...

Cannabisöl gibt es zwar auf Rezept. Aber die Hürden für den Patienten sind extrem hoch, um so ein spezielles Medikament zu bekommen.
Cannabisöl gibt es zwar auf Rezept. Aber die Hürden für den Patienten sind extrem hoch, um so ein spezielles Medikament zu bekommen.  © 123rf.com/Roxana Gonzalez Leyva/Dmitry Tishchenko

Titelfoto: kmk, 123rf.com/Roxana Gonzalez Leyva/Dmitry Tishchenko

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0