"Bein in die Fresse hauen": Polizist nach Verbalattacke verurteilt

Dresden - Polizeiarbeit ist purer Stress. Schichtdienst, ständig brenzlige Situationen, immer wieder konfrontiert mit menschlichem Leid. Da kommt mancher an seine emotionalen Grenzen. Doch Ralph R. (44) rastete im Dienst derart aus, dass er vom Amtsrichter wegen Aussageerpressung verurteilt wurde. Er hatte einer Frau mit Gewalt gedroht.

Polizeiobermeister Ralph R. (44) musste Dienstag vor den Amtsrichter.
Polizeiobermeister Ralph R. (44) musste Dienstag vor den Amtsrichter.  © Peter Schulze

"Sie haben völlig die Contenance verloren", attestierte der Richter dem Obermeister. Das ist noch höflich ausgedrückt. Der Beamte war seinerzeit mit zwei Kollegen zum Einsatz am Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz. Laut Notruf: häusliche Gewalt.

Vor Ort stürmte aus der betroffenen Wohnung eine Tunesierin (31). Aufgelöst, weinend, wütend, hysterisch - so beschrieben Ralph R. und seine Kollegen die Frau, die offenbar außer sich war.

Weshalb sich zwei Beamte separat mit ihr unterhalten wollten: "Aber das ging nicht", sagte Ralph R. "Von ihr kam keinerlei Information zum Vorfall." Im Gegenteil: "Sie hatte den Respekt uns gegenüber vermissen lassen."

Und da sah er Rot: "Wenn Sie sich nicht benehmen und die Wahrheit sagen, kann ich Ihnen auch mein Bein in die Fresse hauen", soll der Obermeister sie damals angeherrscht haben.

Worauf die Tunesierin ihn wiederum anfuhr: "Schauen Sie mir in die Augen und sagen Sie das noch mal."

Haftstrafe auf Bewährung für die Verbalattacke

Ein Kollege ging schließlich dazwischen. "Das war wirklich nicht richtig", gestand der Angeklagte am Dienstag, der nach dem Einsatz noch so fuchsig war, dass er im Kollegenkreis ein Schimpfwort die Tunesierin betreffend blaffte.

Weil das nicht in der Öffentlichkeit war, ist es zwar strafrechtlich nicht relevant. Im Disziplinarverfahren dagegen wird es aber noch eine Rolle spielen.

Für die Verbalattacke vor Ort kassierte der Obermeister nun sechs Monate Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Titelfoto: Peter Schulze

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