Bewaffneter Drogenhandel? Staatsanwalt zerrt fast blinden Behinderten vor Gericht

Dresden - Wenn die Justiz einen Täter ermittelt hat, lässt sie nicht locker bis zum Urteil. Soweit so gut. Aber im Fall von Olaf K. (45) könnten sich die Strafverfolger arg verbissen haben. Dem fast blinden Schwerbehinderten wird bewaffneter Drogenhandel vorgeworfen! Prompt gibt es Zoff im Landgericht Dresden.

Olaf K. (45) muss sich am Landgericht Dresden verantworten.
Olaf K. (45) muss sich am Landgericht Dresden verantworten.  © Franz Maler

Laut Anklage stellte Olaf K., der selbst Cannabis konsumierte, seine Wohnung einem Freund zur Verfügung. Der wiederum habe dort über zehn Kilo Marihuana gebunkert, verpackt und verkauft.

Als besagter Freund, Thomas B., gefasst wurde, wurde auch die "Bunker-Wohnung" durchsucht. Dabei fanden sich eine Schreckschusspistole und ein Schlagstock, die Olaf zugeschrieben werden.

Verteidiger Hans Theisen (66) schüttelte den Kopf: "Meinem Mandanten fehlen schlicht die motorischen Fähigkeiten!" Olaf K. sei geistig und körperlich seit einem schweren Verkehrsunfall 1994 stark eingeschränkt, seither erwerbsunfähig und "faktisch blind". Täglich würde ihn seine Mutter betreuen.

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"Der einzige, der ihm eine Zeit lang ein guter Freund war, war Thomas B.", so Theisen.

Der habe Olaf schamlos ausgenutzt. "Olaf muss man an die Hand nehmen. Selbst die einfachsten Dinge kriegt er nicht auf die Kette", zitierte Theisen diesen "Freund".

Verteidiger stellt Befangenheitsantrag

Unter all den Vorzeichen und der Tatsache, dass Thomas B. für seinen massiven Drogenhandel Bewährung bekam, hätte es laut Anwalt für Olaf K. keine Anklage gebraucht.

"Allenfalls einen Strafbefehl!", so Theisen. Doch er wurde angeklagt und die (eigentlich überlastete) Kammer will im Juni urteilen.

Prompt lehnte Theisen zum Prozessauftakt die Richter wegen der Besorgnis der Befangenheit ab. Eine Entscheidung darüber fiel noch nicht.

Titelfoto: Franz Maler

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