Dresdens Messer-Mörder zu Kunsttherapeutin: "Ich bin nicht böse"

Dresden - Der Prozess um den mutmaßlichen Mörder von der Schloßstraße in Dresden: Abdullah A. H. H. (21) attackierte im Oktober 2020 zwei Touristen mit Messern als "Ungläubige". Thomas L. (†55) starb, sein Lebensgefährte Oliver L. (54) überlebte schwer verletzt. Im Hochsicherheitsgericht am Hammerweg sagten nun frühere Mitgefangene und Therapeuten aus.

Angeklagter Abdullah A. H. H. (21) schaut in U-Haft gern "Frauentausch".
Angeklagter Abdullah A. H. H. (21) schaut in U-Haft gern "Frauentausch".  © Ove Landgraf

Bereits ab 2018 war Abdullah in Haft, weil er einen Anschlag in Dresden plante, dafür verurteilt wurde. Schon in der U-Haft wurde er vom Präventionsnetzwerk gegen Radikalisierung betreut. Diese Sozialarbeiterin zeichnete im Zeugenstand das Bild eines zerrissenen kindlichen Angeklagten.

Die Kunsttherapeutin versuchte mit Abdullah fotografisch zu arbeiten. "Er sollte mit einem Selbstbildnis ein Adjektiv darstellen", so die Pädagogin. Abdullahs Wahl fiel auf das Adjektiv "böse". Er fotografierte sich, betrachtete sein Werk und habe dann gesagt: "Das ist nicht böse. Also bin ich nicht böse." Damit sei das Thema für ihn erledigt gewesen.

Ein ehemaliger Mitgefangener erklärte, Abdullah habe ununterbrochen vom IS und Dschihad gesprochen, ständig versucht, die anderen zu überzeugen.

"Ich bin selbst Moslem. Aber was er da machte, ging zu weit. Wir sind vorm IS geflohen! Ich will das nicht", so Mustafa (20) aus Afghanistan. "Er redete sogar auf die deutschen Gefangenen ein, die uns fragten, was der will."

Messer-Mord-Prozess: Angeklagter schaut gern TV-Format "Frauentausch"

Das Oberlandesgericht am Hammerweg in Dresden.
Das Oberlandesgericht am Hammerweg in Dresden.  © Ove Landgraf

Weil Abdullah Personal angriff, kam er in einen besonders gesicherten Trakt. Ein dortiger Mitgefangener habe sich verlegen lassen, weil ihm "das Gerede aus dem Nachbarraum" zu viel wurde.

Laut der Psychologin, mit der Abdullah bis zur Entlassung "freundlich und zugewandt" sprach, erklärte: Er habe gesagt, er hätte zu viele Sünden begangen, hätte deshalb Angst vorm jüngsten Gericht.

Um davor zu bestehen, bliebe ihm nur der direkte Weg des Märtyrertodes. Auch darüber habe sie mit ihm gesprochen, aber letztlich habe er immer gesagt: "Nur Gott weiß es."

Während sich andere Gefangene am Ende der Haft erkundigen, wie es danach für sie weitergehe, sei ihm das alles nicht wichtig gewesen.

Fünf Tage nach seine Entlassung stach Abdullah in der Altstadt zwei Touristen nieder. Seit Ende Oktober sitzt er wieder in der U-Haft, wo er laut Zeugin großen Wert darauf legt, regelmäßig die TV-Sendung "Frauentausch" zu sehen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Ove Landgraf

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