Drogen gegen Depressionen: Krankenpfleger klaute auf Rezept

Dresden - Es kommt sehr selten vor, dass die Justiz Angeklagte lobt. Doch das geschah jetzt am Amtsgericht Dresden.

Krankenpfleger Anthony R. (37) musste sich am Amtsgericht verantworten.
Krankenpfleger Anthony R. (37) musste sich am Amtsgericht verantworten.  © Thomas Türpe

Anthony R. (37) musste sich wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Betruges und unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln verantworten. Doch er war kein "üblicher" Drogensüchtiger...

Jahrelang kümmerte sich der Krankenpfleger um sterbenskranke Menschen in einer Praxis für Palliativmedizin. "Doch der Druck wurde zu groß", so der zweifache Vater.

Er glitt in eine Depression, während er sich täglich weiter um das Leiden anderer kümmerte. Als noch familiäre Probleme dazukamen, nahm Anthony Medikamente, auf die er Zugriff hatte.

Und er klaute Spezialrezepte aus der Praxis, löste sie ein, organisierte sich so Ampullen, Kapseln und Tabletten mit Morphium. Das ging freilich nur wenige Tage gut. Die Spezialrezepte sind registriert. Als er wieder Drogen in der Apotheke holen wollte, war die Polizei schon da.

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, ging der Pfleger danach zur Entgiftung und in stationäre Therapie. Er gab den Job auf, schult um zum Mediengestalter. 

"Sie sind kein typischer Drogenkonsument", konstatierte der Richter, der all die lobenden Einschätzungen der Fachärzte verlas. Auch der Staatsanwalt stufte die Taten des Krankenpflegers als "dunkles Kapitel" ein, das nun abgeschlossen sei.

Zwar wurde Anthony R. zu 18 Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. "Ich wünsche Ihnen alles Gute", sagte der Richter. "Ich bin überzeugt, dass ich Sie hier nie mehr sehe." 

Titelfoto: Thomas Türpe

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