Er behauptete, "im Auftrag Gottes" zu töten: Totschlagprozess startet nach zwölf Jahren

Dresden - Vor zwölf Jahren wurde der Künstler Gunther A. (†49) getötet. Am Freitag begann am Landgericht Dresden endlich der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Doch ob David K. (37) bestraft wird, ist völlig unklar.

David K. (37) soll die brutale Tat begangen haben, ist aber vermutlich nicht schuldfähig.
David K. (37) soll die brutale Tat begangen haben, ist aber vermutlich nicht schuldfähig.  © Peter Schulze

Laut Staatsanwalt erschlug David K. seinen einstigen Gitarrenlehrer am 16. Februar 2009 in dessen Haus in Walda (bei Großenhain). Angeblich "im Auftrag Gottes". Der an paranoider Schizophrenie leidende Täter bildete sich ein, sein Opfer wäre pädophil, müsse bestraft werden.

Tags darauf kaufte er an einer Tankstelle in Dresden drei Kanister Benzin und brachte sie nach Walda, wo er aus dem Haus des Toten Technik und Geld klaute. Am 19. Februar schließlich zündete der Täter das überall verkippte Benzin an.

Das Haus brannte völlig nieder. Fünf Tage später fanden die Spürhunde die Leiche des Gunther A. unter den Trümmern.

David, der sich auch "David IV" nannte, soll im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben. In dem sogenannten Sicherungsverfahren muss das Landgericht nun klären, ob er überhaupt bestraft werden kann oder untergebracht werden muss.

In einer geschlossenen Psychiatrie saß David bereits. Er war 2010 durch das Landgericht eingewiesen worden, weil er als "Hand Gottes" drei Bahnmitarbeiter schwer verletzte. Als "Strafe für teure Ticketpreise".

Im Februar 2009 brannte das Haus des Künstlers lichterloh. Erst Tage später wurde seine Leiche unter den Trümmern entdeckt.
Im Februar 2009 brannte das Haus des Künstlers lichterloh. Erst Tage später wurde seine Leiche unter den Trümmern entdeckt.  © Brühl

Was erwartet David K.? Ein Urteil wegen Totschlags oder Schuldunfähigkeit

Der Künstler und Musiker Gunther A. (†49) wurde im Februar 2009 erschlagen und seine Leiche verbrannt.
Der Künstler und Musiker Gunther A. (†49) wurde im Februar 2009 erschlagen und seine Leiche verbrannt.  © Polizei

Im Prozess dazu wurde damals klar, dass David auch ins Täterprofil für den Fall Gunther A. passt. Erneut wurde ermittelt und die besondere Anklage verfasst, eine sogenannte Antragsschrift auf Unterbringung.

Weil David aber ohnehin untergebracht war, hatte der Fall im Gericht keinen Vorrang. Dann verzögerten andere lange Verfahren einen Prozessstart.

Und dann kam es, wie es kommen musste: Ein neues Gutachten 2019 stufte David als nicht mehr gefährlich ein. Er wurde entlassen und lebt seither im betreuten Wohnen.

Nun wird der Fall Gunther A. endlich verhandelt. Es ist also möglich, dass es wegen Davids Schuldunfähigkeit kein Urteil wegen Totschlags gibt. Aber auch, dass keine Unterbringung angeordnet wird, weil der 37-Jährige inzwischen als ungefährlich gilt.

Der Prozess findet ohne Öffentlichkeit statt. Laut Richter, weil sich ein öffentliches Verfahren nachteilig auf den Gesundheitszustand von David K. auswirken könnte. Sein Anwalt hatte argumentiert, dass so lange Zeit nach der Tat kein öffentliches Interesse mehr an dem Fall bestehen würde.

Titelfoto: Peter Schulze

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