Geldwäscher vor Gericht: Er bunkerte die Beute von falschen "Polizisten"

Dresden - Mit dem Freundschaftsdienst dürfte er sich einen Bärendienst erwiesen haben. Andreas H. (59) sitzt auf der Anklagebank im Landgericht Dresden. Er soll falschen Polizisten geholfen haben, ergaunertes Geld zu waschen. Der Kneiper beteuert, er habe geglaubt, Gewinne von einem alten Poker-Kumpel "zu parken".

Andreas H. (59) sitzt zum ersten Mal in seinem Leben auf einer Anklagebank und kämpft darum, nicht in Haft zu müssen.
Andreas H. (59) sitzt zum ersten Mal in seinem Leben auf einer Anklagebank und kämpft darum, nicht in Haft zu müssen.  © Peter Schulze

Dieser Kumpel war ausgerechnet Helge W. (64), eine justizbekannte Ex-Rotlichtgröße. "Ich wusste, er spielt noch", so der bisher unbescholtene Andreas H. 

"Irgendwann fragte er, ob er mein Konto nutzen könnte. Er hätte viel Geld gewonnen, könne es aber nicht auf seinem Konto verbuchen, wegen eines Sorgerechtstreits. Für mich klang das irgendwie überzeugend." 

Zumal Andreas dafür 30.000 Euro versprochen wurden. Also ließ er sich insgesamt 113.000 Euro überweisen, hob das Geld ab, behielt seinen Anteil und gab es Helge W.

Doch die Kohle hatte eine türkische Bande um die Brüder Ayhan und Youssef I. einem Ehepaar abgepresst. 

Die Opfer bekamen Anrufe von angeblichen Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA). Es lägen türkische Haftbefehle vor, die nur gegen viel Geld abgewendet werden könnten. 

War alles gelogen. Aber die verschreckten Rentner zahlten. Helge W. reichte das Geld der falschen Polizisten an die türkischen Hintermänner weiter.

Die Bank kündigte die Konten

Helge W. (64) soll die ergaunerten Gelder an die türkische Bande weitergereicht haben.
Helge W. (64) soll die ergaunerten Gelder an die türkische Bande weitergereicht haben.  © Steffen Füssel

"Als mir die Bank plötzlich meine Konten kündigte, ahnte ich Schlimmes. Aber ich traute mich nicht zur Polizei, dachte, ich wäre unglaubwürdig", so Andreas H., der hinzufügte: "Ich hatte alles und ein gutes Leben. Das hätte ich doch für sowas nie aufs Spiel gesetzt." 

Das mit seiner Hilfe ergaunerte Geld zahlte er inzwischen zurück. Urteil folgt.

Übrigens: Gegen Ayhan I. wird derzeit ebenfalls am Landgericht verhandelt. Seinem Bruder Youssef wird in der Türkei der Prozess gemacht. 

Die Anklage gegen Helge W. und den weiteren mutmaßlichen Dresdner Handlanger Jens L. (53) ist fertig. Ein Termin für einen Prozess steht aber noch nicht fest.

Titelfoto: Steffen Füssel, Peter Schulze (Montage)

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