Ex-Volkspolizist als Geldwäscher der Telefonmafia vor Gericht

Dresden - An Selbstbewusstsein fehlte es Gerd E. (53) noch nie. Der EU-Rentner, der zu DDR-Zeiten Polizeiobermeister war, steht seit Mittwoch mal wieder vor Gericht. Unter anderem, weil er ausgerechnet falschen Polizisten half. Aber er kann, wie immer, alles erklären.

Hatte reichlich Redebedarf: Meisterbetrüger Gerd E. (53).
Hatte reichlich Redebedarf: Meisterbetrüger Gerd E. (53).  © Eric Münch

Im Februar nahm die Justiz die Bande hoch. Die Täter hatten Rentnern am Telefon weisgemacht, dass gegen sie ein türkischer Haftbefehl vorliegt, hohe Kautionsgelder gefordert. 

Tatsächlich überwies ein Opfer mehr als 112.000 Euro, ein anderes 12.000 Euro. Laut Anklage hat Gerd die Kohle gewaschen und deren Erhalt quittiert.

"Ich habe nie Geld gesehen", so der Ex-Polizist, der schon aus dem Knast heraus betrog. "Was ich da quittierte, weiß ich nicht." 

Außerdem ergaunerte er laut Anklage in "bewährter Masche" Geld: mit geklauten EC-Karten oder getürkten Überweisungsträgern. 

Und er organisierte sich Autos, ohne je Raten zu zahlen. Die Verkäufer glaubten, Gerd betreibe eine Detektei. Mit den Fahrzeugen kurvte er mehrfach durch die Gegend - ohne Führerschein.

Erklärung für die vielen Vorstrafen

"Ich habe einen Führerschein", erklärte der Angeklagte. "Der ist aus DDR-Zeiten. Ich kam nie dazu, den umschreiben zu lassen. Ich zog ja dauernd um." 

Wohl wahr: Immer wieder saß er im Knast. Doch auch für die vielen Vorstrafen hat er eine Erklärung: Einst bei der Bereitschaft, wurde er nach der Wende entlassen. "Ich ging also nach Baden-Württemberg, bewarb mich als Polizist. Aber die wollten mich nicht. Da musste ich ja die Seiten wechseln." 

Urteil folgt. 

Titelfoto: Eric Münch

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Dresden:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0