Geschichten erzählen vor Gericht: "Frau Richterin, geht man mit Sandalen zum Diebstahl?"

Dresden - Wahrheitsfindung bei Gericht wird nicht leichter, je mehr Versionen kundgetan werden. Genau das passiert aber im Prozess gegen Zouheir K. (40). "Ich will die Wahrheit", sagt der Angeklagte - und widerspricht sich immer wieder selbst.

Zouheir K. (40) erklärte sich am Montag wortreich bei Gericht.
Zouheir K. (40) erklärte sich am Montag wortreich bei Gericht.  © Peter Schulze

Laut Anklage wurde er ausfällig, als er im Supermarkt amDresdner Jacob-Winter-Platz mit einem Rucksack voller unbezahlter Lebensmittel gestoppt wurde.

Er wehrte sich heftig, zeigte dann auch noch wider besseres Wissen die Wachmänner an. Sie hätten ihn mit Stangen bewusstlos geschlagen.

Im Gericht erklärte der marokkanische Elektro-Ingenieur: "Ich ging in den Laden, mein Freund wollte noch auf der Bank Geld holen." Alles im Rucksack statt im Einkaufswagen "zu sammeln", sei für ihn normal.

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"Plötzlich haben die mich von hinten angefallen und gefesselt." Ihm wurde die Kapuze über den Kopf gezogen und auf ihn eingeprügelt. "Ich bin fast gestorben." Außerdem: "Frau Richterin, ich hatte Sandalen an. Geht man mit Sandalen zum Diebstahl?"

Im Supermarkt im Prohlis-Center wurde Zouheir bei Klauen erwischt, zeigte dann seinerseits die Wachmänner an.
Im Supermarkt im Prohlis-Center wurde Zouheir bei Klauen erwischt, zeigte dann seinerseits die Wachmänner an.  © Peter Schulze

Den Freund kann er nicht namentlich benennen. Laut Zeugen wurde er auch nicht angefallen, sondern von einem Ladendetektiv angesprochen, nachdem er durch die Kasse gegangen war. Ein zweiter Wachmann griff erst ein, als Zouheir, der laut Aktenvermerk wohl eher aus Tunesien stammt, türmen wollte. Auf dem Foto der Überwachungskamera trägt der Dieb auch keine Sandalen, sondern Schnürschuhe und ein Oberteil ohne Kapuze.

Einem Polizisten vor Ort erklärte Zouheir, er sei Dolmetscher für Spanisch. Weil sich Zouheir im Gerangel an der Hand verletzt hatte, wurde ein Rettungswagen gerufen. Die Sanitäter hielten die Verletzungen aber für nicht gravierend.

"Außerdem hätte er wirklich anders ausgesehen, wenn er geschlagen worden wäre, wie er es bei der Vernehmung plötzlich behauptete", so ein Kommissar. Urteil folgt.

Titelfoto: Peter Schulze

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